Soloabend: Werke von Brahms, Beethoven und Rachmaninow

Pogorelich spielt wieder

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Günter Berard

Mit einem Preis, den er nicht gewann, wurde er 1980 über Nacht weltberühmt: Ivo Pogorelich. Es war damals beim Chopin-Wettbewerb in Warschau, als er in der ersten Runde schon rausflog. Sehr zum Missfallen des Jury-Mitglieds Martha Argerich, die von der Kunst des damals 21-jährigen Kroaten überzeugt war: "Er ist ein Genie", befand sie und reiste aus Protest ab.

Eine Weltkarriere nahm sogleich ihren Lauf, deren Tempo dem jungen Ausnahmepianisten nicht immer guttat. Begriffe wie "arrogant", "exzentrisch" oder "schwierig" waren sein Image, an dessen Pflege er selbst allerdings nicht ganz unbeteiligt gewesen war.

In den 90er-Jahren machte sich Pogorelich rarer, und nach einigen Schicksalsschlägen wie dem Tod seiner Frau und Lehrerin Aliza Kezeradze 1996 und gesundheitlichen Problemen zog er sich zunächst ganz von der Bühne und den Schallplattenstudios zurück. Tempi passati: Mittlerweile ist Ivo Pogorelich nach Umzügen von New York nach London und seit einiger Zeit Lugano wieder aktiv und nahm auch das von ihm einst initiierte Festival zur Förderung junger Künstler in Bad Wörishofen nach sechs Jahren Pause 2003 wieder auf.

Öffentliche Auftritte sind ihm wieder wichtig. "Ich brauche das Publikum", hatte er unlängst in einem Interview mit der "Welt" gesagt, "ich spüre schon nach wenigen Sekunden in einem Saal, was da für Vibrationen sind. Und ich spüre, wie fordernd das Publikum ist. Man darf mit seiner Aufmerksamkeit nie nachlassen. Wenn ich finde, das Programm war rund, ich habe alles gesagt, dann gebe ich keine Zugabe. Wenn ich aber fühle, diesmal ist noch nicht alles rund, dann fetze ich auch einen Hammer wie Balakirevs 'Islamey' in die Tasten. Ich wollte nie ein Einsiedler werden wie Glenn Gould, der sich der Welt nur noch in Platten mitteilte. Ich brauche den Dialog, sonst kann man sich nie seinem Ideal von Perfektion annähern."

In Hamburg, wo einst bei seinen Konzerten zusätzlicher Platz auf dem Podium für die Zuhörer geschaffen werden musste, spielt Pogorelich jetzt die Sonaten op. 111 und 78 von Beethoven, Brahms' Klavierstück A-Dur op. 118, Nr. 2 und die zweite Sonate von Rachmaninow.


Pro Arte 9. April, 19.30 Uhr, Laeiszhalle. Kartentelefon: 35 44 14