Hanne Mertens passte sich nicht feige an

Die am 13. April 1909 in Magdeburg geborene Schauspielerin (im Bild links in der Titelrolle von Henrik Ibsens Familiendrama "Hedda Gabler" am Thalia-Theater) war 1943 vom Intendanten Robert Meyn von München ans Alstertor verpflichtet worden.

Mertens begann ihre Karriere am Berliner Staatstheater, ging 1932 ans Düsseldorfer Schauspielhaus und wechselte sechs Jahre später für ein längeres erfolgreiches Engagement an die Münchner Kammerspiele. Sie wird als selbstbewusste, ehrgeizige, impulsive, auch egozentrische Persönlichkeit von großer Ausstrahlungskraft beschrieben. Sie machte keinen Hehl aus ihrer Ablehnung der Nazis, hatte andererseits auch Kontakt zu führenden Mitgliedern der NSDAP und wähnte sich deshalb wohl sicher.

Ihre kritische Haltung und Unvorsichtigkeit sollten ihr aber zum Verhängnis werden. Auf einer privaten Party Anfang 1945, an der auch Gestapo-Beamte teilnahmen, sang sie das Lied "Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei. Erst Adolf Hitler, dann die Partei." Am Morgen des 5. Februar wurde die 35 Jahre alte Schauspielerin auf dem Höhepunkt ihrer Laufbahn von zwei Männern wegen "Wehrkraftzersetzung" verhaftet und ins Gefängnis Fuhlsbüttel transportiert. Am 20. April 1945 kam Mertens mit weiteren Häftlingen ins KZ Neuengamme, wo man sie zwei Tage später mit anderen Frauen hängte. Bis zuletzt soll sie ein Gedicht gemurmelt haben. Bischöfin Maria Jepsen würdigt die mutige Künstlerin, die ihren Mund nicht halten wollte: "Hanne Mertens hat sich nicht ängstlich und feige angepasst und damit Karriere und Leben riskiert. Der für sie bestimmte 2000. Stolperstein in Hamburg mahnt uns, für Gerechtigkeit und Menschenwürde einzutreten."