Kurzgeschichtenwettbewerb: Das Abendblatt und seine Partner suchen gute Storys

Eine Chance für talentierte Autoren

Zu gewinnen sind Geldpreise, einige Texte werden im Journal des Abendblatts und im "Hamburger Ziegel" veröffentlicht.

Hamburg. Nicht zur Nachahmung animieren, aber zum Selber schreiben anregen sollen die inspirierenden acht ersten Sätze von Kurzgeschichten bekannter Autoren . Denn das Abendblatt veranstaltet gemeinsam mit den Verlagen Carl Hanser, Diogenes und Rowohlt sowie der Heinrich-Heine-Buchhandlung einen Kurzgeschichten-Wettbewerb, bei dem es drei erste Preise zu gewinnen gibt und ausgewählte Storys im Journal des Abendblatts beziehungsweise in der jährlichen Anthologie "Hamburger Ziegel" veröffentlicht werden.

Eine Herausforderung für professionelle Autoren, aber auch eine Chance für jene, die entdeckt werden oder sich literarisch versuchen wollen. Wie groß der Bedarf ist, weiß Ursula Töller, Chefin der Heine-Buchhandlung, nicht zuletzt aus dem Internet: "Foren, in denen Leute sich gerne über Literatur und Wege zur Veröffentlichung austauschen, sind extrem gut besucht." Was wiederum zu dem Bedürfnis der Buchhändlerin passte, Literatur nicht immer nur zu verkaufen, sondern auch selber mal einen Anstoß zum Schreiben zu geben - zumal der Name Heinrich Heine als Pate der Buchhandlung im Uni-Viertel Verpflichtung ist und Heine als "Meister der kleinen Form und Erfinder des Feuilletons" (Töller) gewissermaßen die Richtung vorgab. Das wiederum hatte Überzeugungskraft für die angesprochenen renommierten Verlage.

"Die Kurzgeschichte ist eine praktische Form, um zu zeigen, was man kann", sagt Wolfgang Matz, Lektor für deutschsprachige Gegenwartsliteratur bei Hanser. "Für junge Autoren ist es eine gute Gelegenheit, Aufmerksamkeit zu bekommen." Die Chance, in einem Wettbewerb positive Resonanz zu erhalten, in einer Literaturzeitschrift oder Anthologie abgedruckt zu werden, ist realistischer, als mit einem unverlangt eingesandten Manuskript direkt bei einem Verlag zu landen. "Bei uns kommen täglich zehn bis 15 Manuskripte an", erzählt der Hanser-Lektor. "Das empfindet man irgendwann als ein Dauerrauschen." Doch selbst wenn Lektorate in einer solchen Flut so gut wie nie fündig werden, wird alles gesichtet: "Das eine Meisterwerk, das vielleicht dabei ist, wollen wir nicht übersehen - darum geht es", sagt Matz. Seine Kollegin Evi Draxl, Lektorin bei Rowohlt, bestätigt dies und begründet das Verlagsinteresse am Hamburger Kurzgeschichten-Wettbewerb: "Grundsätzlich hoffe ich schon, dass wir auf Nachwuchsautoren stoßen, mit denen wir sonst vielleicht nicht in Kontakt kämen." Talent jedenfalls lasse sich schon auf der literarischen Sprintstrecke erkennen, weiß Evi Draxl: "Das kann man schon daran sehen, wie der Autor Figuren zeichnet, wie pointiert er Situationen schildert, ob er Gespür für Spannungsbögen hat und weiß, wann eine Geschichte rund ist. Die Kurzgeschichte ist ein guter Test."

Wobei die Anforderung hoch ist, denn, so sagt Ursula Töller, "es braucht einen guten Plot, es gibt keinen Raum zum Erzählen: Man muss gleich voll da sein." Wolfgang Matz sieht gerade in der Kürze die Würze: "Das ist eine extrem konzentrierte Sache, die sich im Normalfall nur um ein konkretes Ereignis drehen kann, aber beim Leser im besten Fall mit wenigen Strichen den Eindruck erwecken sollte, dass mehr darin steckt." Evi Draxl von Rowohlt wiederum wünscht sich "einen originellen Aufhänger und eine authentische Stimme in einem kurzen Text". Und der darf dann schon mal "etwas experimenteller" sein als ein erster Roman. Anything goes also? Ja, aber gut gemacht und gedacht muss es sein. Nur vor einem warnt Hanser-Lektor Matz: "Man sollte sich keine allegorischen oder märchenhaften Texte als Vorbild nehmen." Schlechte Imitate von Kafka, die unterschwellig behaupten: "Ich bedeute was", seien nicht zu empfehlen. "Das geht immer schief." Also vom folgenden Geschichtenanfang sollten Sie sich nicht inspirieren lassen: "Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt."

Ermutigend ist dagegen, dass man auch daraus ein Thema machen kann, dass es scheinbar gar nichts zu erzählen gibt - wie es Ingo Schulze kürzlich in seinem Erzählungsband "Handy" vormachte: "Ich bin in jener Woche, die ich gemeinsam mit Tanja im September 2000 in Tallinn und Tartu verbrachte, mehrmals aufgefordert worden, etwas über Estland zu schreiben. Jedes Mal erklärte ich, dass mich dieser Wunsch ehre, es mit dem Geschichten schreiben jedoch nicht so sei, dass man sich ein Land und ein Thema wähle und einfach loslege." Ergebnis dieser Geschichtenverhinderung ist die farbige Story "In Estland auf dem Lande".

Wir freuen uns auf Ihre Geschichte!