Der "Wächterpreis" - gegen Filz und Vetternwirtschaft

Der "Wächterpreis der Tagespresse", den das Hamburger Abendblatt jetzt bekommen hat, ist nicht nach einer Person benannt, sondern der Name ist Programm: Er bezieht sich auf die Wächterfunktion der Presse, die man auch Watch-Dog-Funktion nennt.

Wächter und Streiter einer freiheitlichen, demokratischen Grundordnung - dies sollen Journalisten im Sinne des "Wächterpreises der Tagespresse" sein. Ihre Aufgabe: Schonungslose Berichterstattung "ohne Rücksicht auf Namen und bestehende Verhältnisse". Übergriffe, Missbräuche, Missstände und alle Arten von Ungesetzlichkeiten sollen aufgedeckt und öffentlich gemacht werden. Mauscheleien, Korruption, Filz und Vetternwirtschaft - alle Arten von undemokratischen oder sozialschädlichen Handlungen sollen recherchiert und kritisch behandelt werden.

Besonderes Augenmerk wird auf Behörden, öffentliche Einrichtungen, Beamte und Politiker gelegt. Diese Art von kritischem oder investigativem Journalismus erfordert engagierte und couragierte Autoren.

Um diese Leistung zu würdigen, wurde am 25. Juni 1969 die Vergabe eines "Wächterpreises der Tagespresse" beschlossen. Vergeben wird die Auszeichnung alljährlich von der Stiftung "Freiheit der Presse" in Bad Vilbel. Mit einem Kapital von rund 1,1 Millionen Euro gehört die Wächterpreisstiftung zu den ganz kleinen Stiftungen in Deutschland.

Der Stiftungsrat sieht die Funktion des Wächterpreises auch als Aufwertung von journalistischer Arbeit vor Ort. Als Aufwertung der sogenannten Provinz, denn allgemein ist bekannt, dass "für den kleinen Reporter in einer kleinen Stadt die Erfüllung seiner Wächterfunktion mit einem großen persönlichen Risiko verbunden ist", so der Stiftungsrat.

Aus diesem Grunde wurde im Jahr 1972 die Ausschreibung erweitert, indem "der Wächtergedanke auch und gerade in lokalen Bereichen im Vordergrund steht und die Abwehr sachfremder Einflüsse auf die Presse, gleich welcher Art und aus welcher Quelle, anerkannt werden soll".

Die Philosophie des Wächterpreises fand schnell zahlreiche Anhänger. Dies bewiesen die wachsende Zahl der Bewerber und die positiven Reaktionen von Journalisten und Öffentlichkeit bereits vor rund dreißig Jahren.

Nachdem 1971 erstmals ein zweiter Preis vergeben wurde, hatte man zwei Jahre später bereits einen dritten Preis ausgelobt. Inzwischen werden die Berichte, Reportagen und sonstigen Geschichten mit Preisgeldern in Höhe von 6000 Euro für den Dritten Preis, 8000 Euro für den Zweiten Preis und 12 000 Euro für den Ersten Preis belohnt.

Den "Wächterpreis der Tagespresse" erhielten bisher mehr als 130 Journalisten.