SCHAUSPIELHAUS: DIE FREITAGPREMIERE

"Maria Magdalena" - o Gott, o Gott!

Hamburg. Gott! Gott! Gott" trotzt Klara gegen die Decke des hell erleuchteten Zuschauerraums. Eine anrührende, aber auch unfreiwillig komische Sünderin "Maria Magdalena". Mitten im Schauspielhaus-Parkett hat Jacqueline Kornmüller die Holzbühne für ihre Inszenierung von Friedrich Hebbels Tragödie gegen den christlichen Moralterror platziert. Mit dieser aparten Idee nimmt das Unglück des Abends seinen Hindernislauf über etwa 30 symbolträchtige Särge. Denn trotz dieser Hürden ist im offenen Raum die Enge der verbohrt bigotten Kleinbürgerwelt des ehrpusslig moralischen Tischlermeisters Anton nicht zu erspielen.

Sucht Manfred Zapatka, ausstaffiert mit Designer-Anzug, Sohn Karl und Tochter Klara zur Raison und Ordnung in die am Bühnenportal aufgetürmten Totenkisten zu bringen, sind alle Schauspielermühen vergebens. Gegen Heide Kastlers sandfarbenen Boutiquenschick bei Sargtischlers ist mit dampfendem Mimenpathos erst recht nichts auszurichten. Äußerlichkeiten allein stemmen das Drama über eine überholte Gesellschaft nicht auf die Höhe der Zeit. Kornmüller hätte sich die Pusselmühe schenken können, die Särge von Statisten in Müllmänner-Overalls kantengenau aufstellen zu lassen und besser auf ein Inszenierungskonzept verwendet, etwa unter dem sich anbietenden Kritikaspekt der neuen Religiosität. Doch sie begnügt sich schultheaterhaft damit, Abhängigkeit und Zwang in den Familienbeziehungen zu illustrieren.

Scheinwerfer ausgeknipst

Aus Liebe zum Vater wird Monique Schwitter zur barmenden Leidensdarstellerin mit hängenden Armen und Karl (Thiemo Strutzenberger) zum weichlichen Muttersöhnchen. Peter Wolf gibt Leonhard als schwammig schleichenden Schurken, dem Klara über Särge laufend ihr "Heirate mich!" an den Kopf wirft. Mutters Klage "Der Tod blast die Lichter aus, und es wird finster" nimmt Kornmüller als Regieanweisung und knipst zweimal die Scheinwerfer aus. O Gott!