Die "Schilleroper" macht Feierabend

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Maike Schiller

Hamburg. Es ist 16 Uhr, Niels Rose zieht an seiner Frühstückszigarette und blickt müde in den zweiten Kaffee des Tages. "Als wir den Laden übernommen haben, wurde ich immer auf Anfang 20 geschätzt", sagt er und nimmt einen Schluck. "Jetzt, kurz vor Schluß, werde ich auf Anfang 30 geschätzt." Dazwischen liegen nicht etwa zehn, sondern bloß zweieinhalb Jahre. Die aber hatten es in sich. Zweieinhalb Jahre haben Niels Rose und Christopher Vanja die "Schilleroper" geleitet, einen kleinen Szene-Club zwischen Schanze und St. Pauli. Nun ist endgültig Feierabend.

Nachdem die Betreiber im Foyer der verfallenen Rotunde, dem einzig noch begehbaren Teil eines der ältesten deutschen Zirkusgebäude, mit Konzerten, Performances und Lesungen ein ambitioniertes Kulturprogramm gefahren haben, schließt die Schilleroper am 31. März. Der Mietvertrag läuft aus, die Clubbetreiber suchen neue Herausforderungen.

"Nach einem guten Winter ist jetzt die richtige Zeit, um aufzuhören", sagt Rose und faßt die Gründe zusammen: "Geld, Gesundheit, Neuorientierung." Reichlich Wehmut ist trotzdem dabei - bei den "Intendanten" der Subkultur genauso wie bei ihren Stammgästen, einem sehr heterogenen Publikum, das die bunte Vielfalt des Viertels ebenso widerspiegelt wie das breite Spektrum des Programmangebots.

Zwischen alten Ledermöbeln und siffigen 70er-Jahre-Sofas (die bei der Abschiedsparty am 25. März verschenkt werden) fand in trashig-lässiger Club-Atmosphäre sowohl der unbekannte Bandnachwuchs eine Plattform wie auch die etablierte Literatenszene. Mal war ausverkauft, mal verirrten sich bloß fünf zahlende Gäste: "Finanziell betrachtet haben wir den Laden wohl etwas zu kulturlastig geführt", gestehen Vanja und Hauptmieter Rose, der Engpässe nur durch familiäre Unterstützung auffangen konnte.

Zu bereuen gibt es dennoch wenig. "Eine Lehre haben wir aber gezogen: Nie wieder sieben Nächte die Woche", sagt Rose, und Vanja nickt: "Das Privatleben kam zu kurz." Kein Wunder: Wenn man Künstlern kaum mehr als symbolische Gagen und statt Hotelzimmer bloß Matratzen in einer WG anbieten kann, bleibt zum Ausgleich nur die perfekte persönliche Betreuung. Das schlaucht. "Ich war schon vorher Kettenraucher", sagt Rose, "und ich hätte nicht gedacht, daß man das steigern kann. Man kann. Am Tresen geht das ganz einfach."

Wer (und ob überhaupt irgend jemand) die Schilleroper nun übernimmt, steht noch in den Sternen. Christopher Vanja und Niels Rose jedenfalls haben andere Pläne: Der eine will Kulturmanagement studieren, den anderen zieht es für einige Zeit nach Danzig. Zunächst aber, nach den letzten Veranstaltungen und der nötigen Renovierung, geht es - gemeinsam mit ein paar der Tresenkräfte - für eine Woche in die Türkei. Durchatmen. "Das brauchen wir jetzt. Wir müssen ja erst mal entgiften."