Horakovas Kunststück

Kommentar

Dass Kultursenatorin Dana Horakova bislang wenig außer blumigen Formulierungen und Geldmangel vorweisen konnte, ist eine Sache. Dass ihr nun - nach dem Kammerspiele-Durcheinander und vor dem drohenden Finanzdebakel am Schauspielhaus - die Fortune der Anfängerin in Sachen Deichtorhallen hold war, ist eine andere. Der Entschluss, das Ausstellungszentrum zur Heimat für die Fotosammlung von F. C. Gundlach zu machen, die sonst wohl in Berlin gelandet wäre, bietet Chancen und Perspektiven. Gundlachs Lebenswerk hätte längst eine entsprechende Würdigung verdient; was Christina Weiss nicht gelang, schaffte nun die Nachfolgerin. Nicht mit großen Visionen oder gar zusätzlichen Finanzen, sondern mit einem durch den Druck öffentlicher Debatten beschleunigten Führungswechsel im Sommerloch. Die Deichtorhallen stehen und bestehen weiter, doch sie werden ein neues Konzept bekommen. Eine spannende Aufgabe für Gundlach. Aber auch die Verpflichtung, bei der bekannten behördlichen Vorliebe für populäre Namen nicht das Unpopuläre und Unbequeme der zeitgenössischen Kunst auszublenden. In welcher Sparte auch immer.