Die wahre Geschichte der "Swing Kids"

Matthias Rebaschus

Otto Bender: Der Hamburger Fotograf feierte seinen 85. Geburtstag.

HAMBURG. Mit einer einfachen Kamera, einer Box, begann es in den 30er Jahren: Otto Bender fotografierte systematisch das Gängeviertel. Später wurde er einer der gefragtesten Fotografen der Stadt. Sein "Hamburg-Report" wurde 1975 mehr als 120 000mal verkauft. Am Wochenende feierte Otto Bender seinen 85. Geburtstag unter Freunden im "Funkeck" an der Rothenbaumchaussee.

Seine Fotos und seine Erinnerungen machen ihn zu einem wichtigen Zeitzeugen. Bender wuchs in der Wexstraße (Neustadt) auf, begann mit 14 Jahren nach der Grundschule eine Fotografenlehre für zwölf Mark Monatslohn. Die Liebe zur Swing-Musik prägte ihn in jungen Jahren. Der zehn Jahre ältere Bruder Hermann hatte ihn zu den Konzerten der damaligen Jugend-Stars, wie Teddy Stauffer, mitgenommen - zum Beispiel ins Cafe Heinze am Millerntor. Und Otto Bender hatte seine Kamera mitgenommen. Es entstanden Fotos, die den Grundstock für mehr als zehn Bücher bildeten. Für drei Bücher lieferte er neben den Fotos auch den Text: "Swing unterm Hakenkreuz", "Getanzte Freiheit" und "Swing Kids".

Die Bücher schildern die Zeit der Swing-Jugend unter dem Nationalsozialismus. Diese hörte nicht auf die Militärklänge der Nazis, tanzte lieber zum Swing, der bei den Nazis wegen seiner "undeutschen Herkunft" verpönt war. Zeitzeuge Bender räumt gern mit den Legenden auf, wie mit der Legende vom Schild "Swing tanzen verboten", das angeblich an den Hamburger Tanzlokalen hing. "Das Schild hat eine Schallplattenfirma als Werbegag nach dem Krieg erfunden", sagt er.