Hagen Boßdorf erleidet Niederlage vor Gericht

BERLIN. Der Sportjournalist Hagen Boßdorf hat im juristischen Streit um seine Stasi-Verstrickung eine Niederlage erlitten. Das Hamburger Landgericht lehnte es ab, gegen den Gedenkstättenleiter im ehemaligen zentralen Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, eine einstweilige Anordnung zu erlassen.

Knabes Äußerung, daß sich aus den Akten der Stasi der dringende Verdacht ergebe, daß Boßdorf eng mit der Stasi zusammengearbeitet habe, finde in den von Knabe vorgelegten Auszügen aus der Akte eine hinreichende Grundlage, heißt es in dem Beschluß der 24. Zivilkammer des Hamburger Landgerichts (Az.: 324 O 979/05). Boßdorf hat Kontakte zur DDR-Staatssicherheit immer eingeräumt, jedoch eine IM-Mitarbeit stets bestritten.

Die Intendanten der ARD-Anstalten wollen bei ihrem Treffen am 6. und 7. Februar in Köln entscheiden, ob Boßdorf nun ARD-Sportkoordinator bleibt. Grundlage ihres Gesprächs ist ein neues Gutachten des SED- und Stasi-Experten Jochen Staadt, das die ARD in Ergänzung zu den Unterlagen der Berliner Stasi-Unterlagenbehörde angefordert hatte. Der NDR, der den Reporter eigentlich gerne als Sportchef und Nachfolger von Gerhard Delling gehabt hätte, hatte bereits Ende vergangenen Jahres den Vertrag mit dem 41jährigen aufgehoben.

Nach Ansicht Knabes sollte die ARD Boßdorf nicht mehr in leitender Funktion beschäftigen. Er könne sich nicht vorstellen, wie die ARD mit Hilfe Boßdorfs über den gesamtdeutschen Sport berichten lassen will, beispielsweise über die Entscheidungen des Nationalen Olympischen Komitees zur Entlassung ehemaliger Stasi-Mitarbeiter, schrieb Knabe in einem gestern veröffentlichten Brief an den ARD-Vorsitzenden Thomas Gruber. Jetzt sind, so schreibt "Die Welt", die ARD-Justitiare am Zuge.