"Interviews sind Kampf und Koitus"

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Armgard Seegers

Schriftstellerin Oriana Fallaci, einst die berühmteste Reporterin der Welt, heute für ihre harte Haltung gegenüber dem Islam bekannt, wird 75.

Hamburg. Schlachtfelder und die Mächtigen der Welt zogen sie leidenschaftlich an. Oriana Fallaci, die italienische Journalistin, die seit Jahrzehnten in New York lebt, war Kriegsberichterstatterin in Vietnam, im Libanon, im Golfkrieg. Brutal, listig, strategisch geplant - ihre legendären, furchtlosen Interviews waren kalkulierte Provokationen, Kampfansagen. "Ein Interview ist für mich eine Liebesgeschichte, ein Kampf, ein Koitus", beschrieb sie ihre Arbeitsweise.

Sie traf sich mit den Machthabern, den großen Spielern des Welttheaters, und wurde bald genauso berühmt wie diese. 1972, als sie Kaiser Haile Selassi von Äthiopien treffen wollte, gab sie zu Protokoll: "Sagen Sie Seiner Majestät, daß ich entweder in Hosen oder nackt komme."

Von da an stellte sie kompromißlose Fragen an alle, die sie auch moralisch herausfordern wollte. "Kein bedeutender Politiker konnte ihr widerstehen", schrieb die "Los Angeles Times". Oriana Fallaci traf Ayatollah Khomeini, Henry Kissinger, Jassir Arafat, Willy Brandt, Gaddafi. Über Macht und Machtmißbrauch sprach sie auch mit Sammy Davis jr. oder dem deutschen Wissenschaftler Wernher von Braun, der für Hitler gearbeitet und das amerikanische Raumfahrtprojekt mitentwickelt hatte. Sie war stets eine brillante, streitbare Fragestellerin, sah sich auch als Chronistin, Historikerin.

Ihr Gespür für die Themen der Zeit ist legendär. Sie hat ein Buch über Vietnam geschrieben, den "Brief an ein nie geborenes Kind", der von ihrer Abtreibung handelt, und das Buch "Ein Mann", das sich mit dem Unfalltod ihres Lebensgefährten Alekos Panagoulis auseinandersetzt. Freiheit und Moral sind ihre Themen, aber in Wahrheit ist "mein Leitmotiv der Tod", hat sie einmal gesagt, und ein nachdenklicher Kollege hat sie als "Racheengel" charakterisiert.

Seit vielen Jahren leidet Oriana Fallaci an Krebs, den sie gleichfalls zornig und wütend bekämpft. Doch genauso lange gilt ihre "Wut und der Stolz" oder "Die Kraft der Vernunft" (so zwei ihrer Buchtitel) der Bekämpfung des Islamismus. Der Islam, der in ihren Augen einen verweichlichten Westen und dessen "Multikulti-Romantik" längst unterlaufen hat, sei eine rückständige, frauenfeindliche Religion. "Europa hat noch nicht begriffen, daß es sich in einem Krieg befindet", sagt die ehemalige Kriegsberichterstatterin, "bei dem es sich einem Glauben ausliefern soll, der statt Liebe Haß sät, statt Freiheit Sklaverei." Sie warnt vor einer islamischen Unterwanderung des Westens. "Sie zerstören unsere Ideale, unsere Kultur."

Streitbar ist die Dame immer noch.