Wirtschaft entdeckt Hamburg 1

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STADTSENDER Drei Hamburger Kaufleute übernehmen zehn Prozent.

Peter Heinlein

Hamburg

Der Medienunternehmer Frank Otto, der Immobilienkaufmann Farhad Vladi und Nikolaus Broschek aus der gleichnamigen Hamburger Mediendynastie haben sich zum 1. Juni am Stadtsender Hamburg 1 beteiligt. Ihre eigens gegründete Firma Triangle übernahm zehn Prozent der Anteile. Weitere Gesellschafter sind die Firma Amond Media des leitenden Managements (63 Prozent) und der Verlag Axel Springer (27 Prozent). "Ich freue mich darüber, an einem so gut geführten Unternehmen beteiligt zu sein", sagt Nikolaus Broschek. Dem Finanzier und Mäzen geht es nicht nur um das profitable Investment, sondern auch darum, Hamburgs Kulturleben noch stärker im Senderprogramm verankert zu sehen. Die Broscheks hatten das "Hamburger Fremdenblatt" gegründet, das nach dem Krieg nicht wieder erschien. Sie betrieben über Jahrzehnte eines der größten deutschen Druckereiunternehmen und einen Buchverlag. Großvater Alfred Broschek hatte schon in den 20er Jahren versucht, in Hamburg einen privaten Hörfunksender zu gründen. Auch Enkel Nikolaus war in Hamburg schon Radio-aktiv. Zusammen mit Thomas Wegner, dem "Szene"-Verleger Klaus Heidorn, dem Musikmanager Hans Otto Mertens und anderen hatte er die Lizenz für Radio 106,8 bekommen. Auf Grund der unterschiedlichen Gesellschafterinteressen zerschlugen sich Broscheks Hörfunk-Pläne. Der Sender heißt heute Alsterradio.

Für Frank Otto ist die Beteiligung an Hamburg 1 eine Rückkehr. Er war schon bei der Gründung des Unternehmens einer von vier Anteilseignern, trennte sich dann aber von dem Unternehmen. Schon vor seiner jetzt eingegangenen Beteiligung hat sich Otto seit Monaten privat für den Sender eingesetzt. "Ich habe bei mir zu Hause Essen gegeben für Hamburger Unternehmer, die ich für Werbung bei Hamburg 1 begeistern wollte."

Für Farhad Vladi, den in Hamburg lebenden Kanadier, hat Hamburg 1 eine große Zukunft. Er kennt aus Kanada viele profitable Ballungsraumsender. "Hamburg 1 ist nach zehn Jahren jetzt auf gutem Weg. Dieses Jahr werden schwarze Zahlen geschrieben. Ich bin sicher, mein Geld erwirtschaftet eine gute Rendite", sagt Vladi. Als Besitzer der Buchhandlung Götze ist er bereits mit dem Sender verbunden, er sponsert eine Quizsendung im Programm.

Bei Axel Springer verantwortet Jens Müffelmann die elektronischen Beteiligungen. Ihm sind die neuen Gesellschafter hoch willkommen: "Der Einstieg von Triangle beweist, daß die Hamburger Wirtschaft zunehmend Vertrauen in die Kraft dieses Senders hat."

Auch das erst seit 18 Monaten amtierende Management des Senders ist stolz auf seine Leistung, das Unternehmen auf Profit-Kurs gebracht zu haben. Der geschäftsführende Gesellschafter Bernhard Bertram sieht den Sender durch die Beteiligung der Kaufleute deutlich gestärkt. Sein Partner Ingo Borsum setzt darauf, daß das Engagement Signalwirkung hat und weitere Wirtschaftkreise den Sender für sich entdecken.