Am liebsten mit doppeltem Boden

Meike Harten inszeniert erstmals am Ohnsorg

Hamburg. Wer sich so oft an verschiedenen Plätzen verwandelt, ist nicht leicht zu fassen. Im vergangenen Jahr zählte Meike Harten zu den "Zwölf Geschworenen", danach hat sie cool ihren Gatten "Kaltgestellt", war dann eine von verdächtigen "Acht Frauen", die einen toten Mann im Hause haben. Im Dezember verkuppelte sie "Die Schöne und das Tier", am kommenden Sonntag inszeniert sie einen Bankraub und zeigt, warum es "Keen Geld för Dösbaddels" gibt. Bevorzugte Tatorte von Meike Harten sind das Altonaer Theater, die Komödie Winterhuder Fährhaus und das Ernst-Deutsch-Theater.

Jetzt allerdings sitzt die gefragte Schauspielerin und Regisseurin im Ohnsorg-Parkett und hat ein halbes Stündchen bis zum Probenbeginn. Die Kriminalkomödie "Keen Geld för Dösbaddels" ist ihr Debüt am Haus, das Ohnsorg die sechste Hamburger Privatbühne in ihrer Sammlung und eine neue Erfahrung. Denn Meike Harten kannte plattdeutsches Theater bisher nur als Zuschauerin - das allerdings schon lange, mit einer typischen 60er-Jahre-Erinnerung: "Mit der karierten Wolldecke am Sonnabend auf dem Sofa - das Ohnsorg war die einzige Abendsendung, die ich als Kind sehen durfte."

Mit Sicherheit wird ihr "Keen Geld för Dösbaddels" helfen, im neuen Umfeld die eigene Note erkennen zu lassen. Denn die Kriminalkomödie bietet eine Ausgangssituation, die den theatralischen Vorlieben der Regisseurin Harten entgegenkommt: Es ist nicht alles so, wie es scheint. Und es kommt ganz anders als erwartet. Der Plot jedenfalls ist an sich schon skurril: zwei Rentner - gezeichnet nach dem Motto: Gegensätze ziehen sich an - überfallen eine Bank und werden unfreiwillig zu Geiselnehmern. Doch das ist erst der Anfang ihrer Pechsträhne: Denn ihre Opfer, der Filialleiter mit Gattin und Geliebter, sind um einiges bösartiger als die Möchtegern-Bankräuber.

Als Schauspielerin hat Meike Harten, die in Poppenbüttel aufgewachsen ist und in Hamburg ausgebildet wurde, zunächst in Graz und Bad Hersfeld vor allem klassische Rollen gespielt: Iphigenie, Sophie im "Clavigo", Solveig in "Peer Gynt", Recha im "Nathan" und viel Shakespeare, 1999 in Altona noch die Lysistrata. Aber inzwischen dominieren tragikomische Figuren, nicht selten - und mit lustvollem Humor gespielt - Frauen mit schwer zu bändigenden Trieben. "Mich interessieren die Notstände der Figuren am meisten", sagt Harten. "Außerdem habe ich eine Neigung zur Tragik in der Komik."

Der Übergang zur Regie war fließend. Als Schauspielerin an Häusern mit kleinen Mitteln war sie es gewöhnt, schnelle Lösungen auch mal selbst finden zu müssen: "Man muß sich um mehr kümmern." Als sie dann dem Altonaer Intendanten Axel Schneider sagte, daß sie gern mal selbst inszenieren würde, war der sofort einverstanden. Ihr Debüt gab sie im März 2002 mit "Fun" auf der Foyerbühne in Altona. Hinter dem spaßigen Titel verbirgt sich eine mörderische Geschichte. Auch hier also der doppelte Boden, der Meike Harten reizt.

Sie versteht sich als Teamarbeiterin, die Figuren organisch wachsen sehen will. Ihr bisheriges Meisterstück als Regisseurin ist jedoch eine inspiriert-anarchische "Max und Moritz"-Adaption an der Winterhuder Komödie, die einem festen Regiekonzept folgte. "Das war eine Choreographie, auf der die Schauspieler surfen konnten", sagt Meike Harten. Der Erfolg hat bewiesen, daß man sich dieser Frau anvertrauen kann - auch wenn doppelte Böden drohen.