RTL flutet einen Hamburger Stadtteil

Essen: RTL hat mit den Dreharbeiten über die Hamburger Sturmflut von 1962 begonnen

Hamburg. Brusthoch steht das Wasser zwischen den Häuserfassaden des Hamburger Stadtteils Wilhelmsburg. Ein schwerer Lastwagen liegt auf der zerquetschten Kühlerhaube eines VW-Käfers. Am Ende der Straße ragen Grabsteine aus den Fluten. Nur die Kirche auf der kleinen Anhöhe ist von den hereinbrechenden Wassermassen verschont geblieben.

Die Szene ist gestellt: Die Fassaden des 140 Meter langen und 35 Meter breiten Straßenzugs bestehen aus Stahl, Holz und Gips. Der Kölner Fernsehsender RTL dreht am Essener Baldeneysee "Die Sturmflut". Die Verfilmung der schwersten Naturkatastrophe der deutschen Nachkriegszeit im Jahr 1962 ist ein Mammut-Projekt: Mehr als acht Millionen Euro beträgt das Budget der Produktion, hundert Darsteller wurden ausgesucht, und mehr als tausend Komparsen kommen zum Einsatz. Selbst Nebenrollen wurden mit Spitzendarstellern wie Götz George, Hannelore Elsner, Heiner Lauterbach, Fritz Wepper und Gaby Dohm besetzt.

Die Hauptdarsteller arbeiten bis zur Erschöpfung: Fast zehn Stunden am Stück steht Benno Fürmann ("Die Bubi Scholz-Story") während eines großen Teils der 68 Drehtage im Wasser. In den Drehpausen springen die Darsteller im Neopren-Anzug in einen mobilen Whirlpool. Der Sturmflut-Dreh sei "die größte körperliche Anstrengung" ihres Lebens, sagt Nadja Uhl ("Die Stille nach dem Schuß").

Der erste Drehtag von Jan Josef Liefers ("Das Wunder von Lengede") endet in der Essener Unfallchirurgie. Der Grimme-Preisträger hat sich den Finger aufgeschnitten, die Wunde muß genäht werden. "Wir schicken die Charaktere in Extremsituationen und loten sie aus", so Regisseur Jorgo Papavassiliou.

Zwei Drittel der Szenen werden nachts gefilmt, wenn die Lufttemperatur unter null Grad sinkt. Flugzeugmotoren peitschen den Darstellern Flutwellen und Windböen ins Gesicht. Unter Wasser machen Rohre, Leitungen und Grünpflanzen einen sicheren Stand fast unmöglich. "Die Härte der Dreharbeiten wird den Umständen von damals gerecht", vermutet Benno Fürmann.

Die sechs Millionen Liter Wasser werden aus dem Baldeneysee in Becken des ehemaligen Licht- und Luftbades Baldeney gepumpt und auf 18 Grad erwärmt. "Mehr ist nicht drin", sagt Produzent Sascha Schlingel. "Sonst fängt das Wasser in der Nacht an zu dampfen."

Diese aufwendige TV-Produktion setzt alle Beteiligten gehörig unter Druck. "Das Ganze ist eine extrem ehrgeizige Unternehmung", meint Schauspieler Jan-Josef Liefers. "Wir sind zum Erfolg verdammt."