"Die Unendliche Geschichte" als Oper

Uraufführung zeitgleich in Weimar und Trier.

Weimar/Trier. Michael Endes "Unendliche Geschichte" geht immer weiter. Nach ihrem Erfolg als Buch vor 25 Jahren und später als Film wurde sie am Ostersonnabend zeitgleich in Weimar und Trier als Oper uraufgeführt und jeweils mit minutenlangem Applaus bedacht. Der Berliner Komponist Siegfried Matthus hatte sich an die Vertonung des Mammutwerkes gewagt. In knapp zwei Stunden gab es ein Wiedersehen mit den vom Film inspirierten Fabelwesen wie dem Drachen Fuchur, der weisen Schildkröte Morla und dem Werwolf Gmork.

Auch in den teilweise an den Filmkostümen orientierten Bühnenfassungen in Weimar und Trier steht die Heilung der kranken Kindlichen Kaiserin im Mittelpunkt. Es geht um die Rettung der vom Nichts bedrohten Buchwelt "Phantasien" und der menschlichen Fantasie. "Das Nichts ist da, wo kein Wunsch ist", sagt die Kindliche Kaiserin nach der Rettung Phantasiens - in Weimar gesungen von Marietta Zumbült, in Trier von Eva-Maria Günschmann.

Am Anfang der Oper sitzt Bastian, ein schwer erziehbarer und gewaltbereiter Junge, in der Trierer Fassung von Intendant Heinz Lukas-Kindermann im Arrest in einem gekachelten Raum. In der Version des Deutschen Nationaltheaters Weimar (Regie: Operndirektor Michael Schulz) ist er von zu Hause abgehauen.

Der Junge, so will es Librettist Anton Perrey, liest in einem gestohlenen Buch, taucht in eine Welt voll Fantasie ein. Hier findet er zu sich selbst und wird zu einem lachenden Retter-Kind.

Perrey schreibt viele Buchszenen um, rhythmisiert die Sprache für den Operngesang. Matthus zeichnet die Story mit Instrumenten von Englisch-Horn bis Pauke nach. Für jede Figur - ob Blubb, Felsenbeißer, Auryn - schafft er prägnante Charakteristika. Es gibt große Chorstücke, die an sakrale Gesänge erinnern, und A-cappella-Gesang. Die Staatskapelle Weimar unter Leitung von Jac van Steen und die Solisten meisterten diese Herausforderungen mit Bravour. Matthus, der heute 70 Jahre alt wird, war von der musikalischen Umsetzung in Weimar sehr angetan.

Der Komponist hatte sich noch zu Lebzeiten des 1995 gestorbenen Schriftstellers Michael Ende die Rechte für die Vertonung des Fantasy-Stoffes gesichert. Die Idee für eine Opernversion stammte von dem Dirigenten Kurt Masur.