Brisantes aus der Keksdose

NDR-Kameramann: Hinzpeter für Verdienste um Korea ausgezeichnet

Ratzeburg. In Hamburg kann Jürgen Hinzpeter ungestört bummeln, in Kwangju und anderen Städten Südkoreas wird der NDR-Pensionär schon mal um Autogramme gebeten. Der Kameramann hatte 1980 als Einziger das Militär-Massaker in Kwangju gefilmt und damit indirekt Geburtshilfe für die Demokratie in Korea geleistet. Doch erst jetzt, 23 Jahre danach, wurde der 66-Jährige in Seoul offiziell geehrt. Hinzpeter erhielt den "Song Kun-ho"-Pressepreis - für "seinen wertvollen Beitrag" zur Geschichte Koreas.

"Ich hatte einfach sehr viel Glück", sagt der NDR-Mann bescheiden und erzählt von dem vermeintlichen Routineeinsatz vor 23 Jahren. Hinzpeter, damals Mitarbeiter im ARD-Büro Tokio, flog im Mai eigentlich nur nach Südkorea, um Gerüchten über Proteste gegen die Militärdiktatur auf den Grund zu gehen. Auf Schleichwegen gelangten er und ein Tontechniker in den Süden der Halbinsel, in die Metropole Kwangju, wo Elitesoldaten gerade einen Studentenaufstand zusammengeschossen hatten. "Es war fürchterlich." Hinzpeter filmte blutige Leichen, die langen Reihen mit den Särgen. Die ersten Bilder des Grauens, die er in einer Keksdose aus Korea schmuggelte, liefen in der "Tagesschau", kurz danach weltweit.

"Es gab keine anderen Filmaufnahmen", erzählt der NDR-Mann nicht ohne Stolz. Die Bilder eines japanischen Teams kassierte offenbar das Militär, das eine Nachrichtensperre verhängt und die Telefone der Zeitungsjournalisten abgeklemmt hatte. Hinzpeter wagte im Mai 1980 zwei weitere Einsätze in Kwangju. Er filmte neue Proteste, den Rückzug der Armee und auch das Ende "des kurzen Frühlings der Demokratie" nach zehn Tagen. Am 27. Mai wurde Kwangju endgültig besetzt. "Das war brisantes Material", weiß Hinzpeter. Und wieder gingen seine Bilder um die Welt.

Wirklich stolz ist der Journalist, der auch über den Vietnamkrieg berichtet hatte, auf eine ARD-Sondersendung im Herbst 1980, die die Hintergründe des Todesurteils gegen den südkoreanischen Oppositionsführer Kim Dae Jung beleuchtet hat. "Meine Aufnahmen waren ein wichtiger Beleg, dass er unschuldig war." Kim Dae Jung wurde später begnadigt und 1997 in einer freien Wahl Präsident.

"In Kwangju hat alles angefangen", bilanziert Hinzpeter. "Wie gefährlich das für mich war, ist mir später klar geworden." Im Herbst 1986 wurde der Kameramann von einer Sondereinheit der Polizei in Seoul krankenhausreif geschlagen, als er einen Protestmarsch filmte. "Ich bin damals knapp mit dem Leben davongekommen." Der Vollblut-Journalist, der in Ratzeburg lebt, reiste dennoch immer wieder nach Südkorea, mal zum Staatsbesuch beim Präsidenten, mal zur Gedenkfeier nach Kwangju. Das Buch-Projekt über diese Erfahrungen liegt aber auf Eis, nachdem auf einen Schlag mehr als 1000 E-Mails aus Korea eintrafen. "Das Fernsehen hatte meine Aufnahmen von 1980 über Kwangju wiederholt."