Multitalent: Der Journalist wird am Sonntag 75

Arte feiert den Regisseur Felix Schmidt

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Karin Franzke

Mit einem Paukenschlag beginnt der Auftritt von Jürgen Flimm. Blitzlichtgewitter wie bei einem Popstar. "Er ist die Galionsfigur des...

Hamburg. Mit einem Paukenschlag beginnt der Auftritt von Jürgen Flimm. Blitzlichtgewitter wie bei einem Popstar. "Er ist die Galionsfigur des deutschsprachigen Theaters", raunt eine Stimme aus dem Off. "Eine Institution im internationalen Kulturbetrieb." In der Tat: Jürgen Flimm, Schauspiel- und Opernregisseur, Intendant, Direktor der Salzburger Festspiele, künftiger Leiter der Berliner Staatsoper Unter den Linden, ist ein umtriebiger Mann. Das TV-Porträt gibt ihm Gelegenheit, offen, manchmal ungeschminkt, ja selbstironisch von Erfolgen und Misserfolgen in seinem nun doch schon 66-jährigen Leben zu erzählen.

Knapp ein Jahr konnte Felix Schmidt an dem Arte-Film "Der Regisseur Jürgen Flimm" arbeiten, reiste dafür um die halbe Welt. Keine Spur von Müdigkeit - auch wenn er am Sonntag seinen 75. Geburtstag feiert. Manchmal, so sagt er mit leiser Stimme dem Abendblatt, mache ihm die Reiserei doch etwas zu schaffen, andererseits: Der Jetlag an den zwei Drehtagen in New York mit Flimm an der Metropolitan Opera "war auch nicht schlimmer als früher".

Seit acht Jahren ist der Wahl-Hamburger, geboren bei Freiburg im Breisgau, gemeinsam mit Thomas Schröder (einst Chefredakteur des "FAZ-Magazins") geschäftsführender Gesellschafter der FTS Media GmbH. Eine "kleine Alt-Männer-WG" nennt er das Unternehmen, das vor allem TV-Dokumentationen, Porträts und "Das philosophische Quartett" (ZDF) produziert. Schmidt ist mit allen journalistischen Wassern gewaschen: Er war Redakteur und Ressortleiter beim "Spiegel", Fernsehdirektor des damaligen Südwestfunks, Chefredakteur von "Welt am Sonntag", "Stern", "Hamburger Morgenpost", "Hörzu", zu den Glanzzeiten von Sat.1 produzierte er den politischen "Talk im Turm" mit Erich Böhme.

In all den Jahren gehörte seine Liebe der Musik. Immer hat Felix Schmidt über Musik, Musiker geschrieben, sie gefilmt, ihr Leben verfilmt. "Personen, die ich ein wenig bewundere, das gebe ich gerne zu." Zuletzt hatten es ihm die Sängerinnen Anja Silja und Christine Schäfer angetan. "Die Karriere von Christine Schäfer habe ich immer verfolgt, als sie dann im Salzburger 'Figaro' sang, hatte sie den nötigen Glanz für den Sender", erinnert er sich (Arte zeigt das Porträt übrigens am 21. September). Eines stört ihn empfindlich: das übersteigerte Unterhaltungsbedürfnis junger Redakteure. Das führe zu Nebensächlichkeiten, gerade auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. So habe man den deutschen Gegenwartskomponisten Wolfgang Rihm aufgefordert, Schubert zu spielen. Shocking!

In diesem Jahr will Schmidt mehr schreiben: Porträts über Musiker, Essays. Da schlägt ein aktuelles Projekt etwas aus der Art. Ein Heft über die Provence. Sein Lieblingsziel in freien Wochen. Mit Kollegen arbeitet er an einem Kultur- und Reiseführer für russische Touristen.


Sonnabend, 17.20 Uhr auf Arte: "Der Regisseur Jürgen Flimm"