Der Kampf um "Aphrodite"

Der Mut zum Edelkitsch zahlt sich fürs Erste aus.

Dreiteiler: Liebe, Lügen, Leidenschaften. 20.15 Uhr ARD

Es war die erste Überraschung des Fernsehjahres 2002: Der lang erwartete neue Wedel "Die Affäre Semmeling" (ZDF) musste sich der deutsch-österreichischen Familiensaga "Liebe, Lügen, Leidenschaften" (ARD/Degeto) geschlagen geben. Im Quotenrennen lag der Edelkitsch mit durchschnittlich 5,95 Millionen Zuschauern vor dem Polit-Krimi mit 5,59 Millionen. Da drängte es sich geradezu auf, die Geschichte um die österreichische Modedynastie Steininger weiterzuspinnen. Das Hochglanz-Melodram im Stil von "Dallas" und "Denver-Clan" geht mit drei neuen Filmen in die nächste Runde.

Der Kampf um das Erbe von Franz Steiningers Dessous-Unternehmen "Aphrodite" wird also fortgesetzt. Die weit verzweigte Familie des gestorbenen Firmengründers wehrt sich mit allen Kräften (und Intrigen) gegen eine Übernahme durch den US-Wäschefabrikanten und schärfsten Konkurrenten Maximilian Fox und dessen "F&F Underwear"-Firma. Diesen Erzrivalen spielt der in Hamburg geborene Theaterstar Helmut Griem.

"Ich liebe Melodramen, wie die von Douglas Sirk, das habe ich mit meinem Freund Fassbinder gemeinsam", sagt Griem. "Ich finde die Charaktere sehr glaubwürdig, die Geschichten haben Bezug zu unserem normalen Leben: Wir lieben alle, wir lügen alle, und wir sind alle gern leidenschaftlich. Außerdem hat mich die Rolle interessiert." Als Mode-Magnat Fox versucht er, "Aphrodite" unter seine Kontrolle zu bringen. Dabei bekommt er es nicht nur mit der Chef-Dessous-Designerin Alpha (Barbara Wussow) zu tun, sondern gerät auch mit seinem Sohn Robert (Philipp Brenninkmeyer) aneinander.

Maximilian Fox ist der Intriganteste von allen, aber dennoch ist er nicht der schiere Böse. Er hat ein Motiv, das seine Taten in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt - das wird allerdings erst ganz am Ende deutlich. Das unterscheide ihn auch beispielsweise von Dallas-Bösewicht J.R. Ewing, meint Griem: "Diese Rolle ist intelligenter, nicht so eindeutig. Dies hier ist zudem weniger klischeebehaftet und diffiziler als ,Dallas'." Dass Theater-Kollegen bei dieser leichten Unterhaltung die Nase rümpfen könnten, ist ihm egal: "Wenn ein Stück mich überzeugt, die Figuren und der Plot stimmen und es echten Witz hat und nicht blöde Kalauer, dann habe ich nie einen Unterschied gemacht zwischen U und E. Ich habe viele Stücke gespielt und inszeniert, die man als gehobenen Boulevard bezeichnet. In keiner anderen Art von Stücken kommt mehr zu Tage, ob ein Schauspieler sein Handwerk beherrscht."

Helmut Griem muss niemandem mehr etwas beweisen, weder Kollegen, Kritikern, Publikum noch sich selbst. Nach einer langen und erfolgreichen nationalen und internationalen Laufbahn mit Filmen wie "Berlin Alexanderplatz", "Fabrik der Offiziere" und "Ansichten eines Clowns" sowie Inszenierungen an den Münchener Kammerspielen und dem Theater in der Josefstadt Wien macht sich der Träger des Bundesverdienstkreuzes allerdings heute rar. "Ich spiele seit ein paar Jahren nicht mehr so viel Theater, aber gegen Drehen habe ich gar nichts, wenn die Bücher mir gefallen. Ich erinnere mich noch an einen Satz von meinem alten Freund Martin Benrath, der leider so früh gestorben ist: ,Fürs deutsche Theater habe ich genug getan, jetzt mache ich es mir gemütlich und schön und werde ein bisschen fürs Fernsehen drehen'", zitiert er schmunzelnd.

Zumal, wenn im Team so fabelhafte Darsteller dabei sind wie Rosemarie Fendel, Barbara Sukowa und Franco Nero. Und in Wien, Rom, New York sowie in der Steiermark gedreht wird.

(Sabine Weiß)

2. Folge: Freitag: 20.15 Uhr

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.