Harry Kupfer inszeniert "Die lustige Witwe" an der Hamburgischen Staatsoper

"Bei Lehar wird’s schwierig"

Harry Kupfer ist in Hamburg natürlich kein Unbekannter. In den 80er-Jahren hat er an der Staatsoper inszeniert; sein „Tannhäuser“ reißt heute noch zu Begeisterungsstürmen hin. Jetzt ist der inzwischen 73 Jahre alte Meisterregisseur nach Hamburg zurückgekehrt. Für eine Operette. Franz Lehárs „Lustige Witwe“ hat man ihm angeboten, er sagte zu. Am Sonntag ist Premiere.

Hamburg. Ausgerechnet Operette? Diese Dinosaurier des Unterhaltungsbetriebs sind historisch, aber für Harry Kupfer, der von Operetten und auch Musicals ("My Fair Lady", "Elisabeth") bis zu Wagners "Ring des Nibelungen" in Bayreuth alles in Szene gesetzt hat, was tönt und spielt, ist die Operette trotzdem kein minderes Genre: "Dort sind die Komponenten Schauspiel, musikalische Ausdrucksform und vor allen Dingen auch die rhythmisch-tänzerische Ausdrucksformen gefordert, und die reizen mich sehr." Auch vom Inhalt her ist die leichte Muse für ihn kein minderes Genre. Er spürt darin die satirischen, kritischen Momente auf: "Wenn man die ‚Fledermaus’ nimmt das ist auch eine sehr kritische Geschichte. Die kann man so machen, dass sie auch heute noch aufregt und Spaß macht. Bei Lehar wird’s schwierig. Das ist ja schon der große Niedergang der Gattung, wo dieses Liebäugeln mit der Seriosität und mit der tragischen Operette oft auch tief in den Kitsch geht." Der Bezugspunkt der Operetten-Handlung von 1905 zum Hier und Jetzt hat er längst fest gepackt: "Die Hanna. Sie ist eine junge schöne Frau, und die Handlungsweise und die Bösartigkeit der Geschichte hat schon etwas mit Dürrenmatts "Besuch der alten Dame" zu tun. Da kommt jemand und rächt sich mit Geld und hebt eine Gesellschaft aus den Angeln." Und dann will er bei dem Stück auch nicht übersehen, dass die "Lustige Witwe", ein Welterfolg mit mehr als 300 000 Aufführungen auf allen Kontinenten und fünfmal verfilmt, auch die Lieblingsoperette von Adolf Hitler war. Das Datum der letzten Hamburger Inszenierung im Großen Haus: 1938. "Obwohl die Operette entstanden ist, als man von Hitler noch nichts wusste und von den Nazis, steckt schon Ungeist darin: in der Diffamierung der Pontevedriner als hinterwäldlerisch und dumm, von der die direkte gedankliche Linie zum Balkan und von dort zu den Juden läuft. Man spürt, dass hinter dem ganzen Staub, der auf dem Stück liegt, diese Schichten irgendwozu zeigen sind. Ich verrate Ihnen aber nicht, wie wir das gemacht haben die Leute sollen überrascht werden davon."

Premiere am Sonntag, 18.1.2009, 18 Uhr

Lesen Sie morgen mehr im Hamburger Abendblatt.