Die Wirtschaftskrise erreicht die Filmindustrie

Traumatische Zeiten für die Traumfabrik Hollywood?

Die globale Finanzkrise macht auch auch vor der Kino-Branche nicht halt. Seit Mitte Oktober häufen sich die Krisenmeldungen.

Frankfurt. Die Filmindustrie gilt als eine der krisenresistentesten - weil unberechenbarsten - Branchen überhaupt. Sie ist sogar berühmt dafür, dass sie als Lieferant industrieller Träume gerade in schlechten Zeiten besonders große Profite einfährt - so etwa in der Depression Ende der 1920er oder während des Zweiten Weltkriegs. Dennoch macht die globale Finanzkrise, die zurzeit überall die Kurse in den Keller und Unternehmenschefs in den Panik-Modus treibt, dieser Tage auch vor der Filmindustrie nicht halt. Seit Mitte Oktober häufen sich in Branchenblättern wie "Variety" die Krisenmeldungen. Hollywood ist schwer getroffen.

Dabei ist beim Verkauf von Kinokarten bisher noch kein größerer Rückgang zu spüren. Dank Sommerhits wie The Dark Knight sind die Einnahmen an der Kinokasse für das Jahr 2008 in den USA gerade einmal um 0,4 Prozent zurückgegangen. Die Sorge ist allerdings groß: Erste Umfragen haben ergeben, dass Kinobesuche zu den Punkten gehören, an denen Konsumenten künftig sparen wollen.

Das wirkliche Problem für die Industrie liegt in den Werbemärkten. Wegen finanzieller Engpässe sind immer weniger Unternehmen in der Lage oder bereit, teure Anzeigenkampagnen und TV-Spots zu schalten - eine Entwicklung, die die Medienmultis, und damit auch die Filmstudios, hart trifft. Kaum erholt vom Streik der Drehbuchautoren, der erst im Januar 2008 nach zähem Ringen endete, fangen die Konzerne nun ihrerseits an, Werbebudgets (einer der größten Kostenfaktoren für die Veröffentlichung - aber auch für den Erfolg - eines Films) zurückzufahren, größere Lücken im Filmangebot in Kauf zu nehmen und Mitarbeiter zu entlassen.

Den Anfang machte Mitte Oktober Viacom, wo unter anderem die Fernsehsender CBS und MTV sowie Filmstudio Paramount zu Hause sind, als es eine Gewinnwarnung herausgab, die seine Aktien - und im Anschluss daran auch die anderer Medienkonzerne wie Time Warner - um zweistellige Prozentbeträge einbrechen ließ und Viacom-Eigner Sumner Redstone zwang, mehrere hundert Millionen Dollar an Anteilen zu verkaufen, um seine Schulden zu bezahlen. Eine Woche später zog Paramount nach: Die Paramount/DreamWorks-Koproduktion The Soloist, ein Musikerdrama mit Jamie Foxx und Robert Downey jr., das ursprünglich mit viel Oscar-Tamtam für November geplant war, wurde kurzerhand in den kommenden März verschoben. Darüber hinaus kündigte das Studio an, es werde 2009 nur noch 20 statt wie in den letzten Jahren üblich 25 Filme ins Kino bringen.

Nur zwei Tage später war NBC Universal an der Reihe: 500 Millionen Dollar (etwa drei Prozent) Budgetreduzierung für 2009, immerhin ohne geplante Entlassungen. Ganz anders Viacom, dessen Chefetage Anfang Dezember ein letztes Mal nachlegte und den Abbau von 850 Stellen ankündigte, einige davon durch die Schließung des Paramount Tochterstudios Paramount Vantage, das damit ein ähnliches Schicksal ereilt wie New Line, das zuvor von Time Warner erst geschluckt und dann kräftig ausgedünnt wurde. Auch Sony entlässt Tausende Mitarbeiter, allerdings nicht in seinen Unterhaltungsabteilungen. Disney gab sich trotz ebenfalls sinkender Einnahmen vorsichtig optimistisch, verschob aber vorsichtshalber die Renovierung von Teilen seines Freizeitparks in Florida.

Doch nicht nur die großen Hollywoodstudios sind von den Auswirkungen der Finanzkrise betroffen. Auch kleineren Filmfestivals fällt es in den USA aufgrund der sinkenden Werbebudgets großer Firmen immer schwerer, eine Finanzierung für ihr nächstes Programm auf die Beine zu stellen. Von unabhängigen Produzenten ganz zu schweigen: Kredite gibt in den USA im Moment keiner so gerne mehr. In Russland hingegen hat die finanzielle Unsicherheit die gesamte nationale Filmproduktion so gut wie lahmgelegt. Mehr als zwanzig von insgesamt 89 zurzeit in Produktion befindlichen Projekten wurden auf Eis gelegt oder eingestampft.

Trotz der verheerenden Auswirkungen melden sich allerdings schon vereinzelte Stimmen, die in den Einschnitten auch ein Gesundschrumpfen der Branche erkennen wollen. So zitiert "Variety" einen Studiomanager mit den Worten: "Es gibt ohnehin zu viele Festivals." Und Journalisten haben sich auch schon oft genug über den kaum zu bewältigenden Strom von (schwachen) Neuerscheinungen im Kino beschwert. Vielleicht siegt in der Krise im Endeffekt Qualität über Quantität.