"Es ist wichtig, eine lebendige jüdische Kultur zu haben!"

Schachar: Das jüdische Theater hat neue Räume - aber kein Geld.

Hamburg. "Nu", fragt mich Schmuel, "wie siehts aus mit dem Schachar? Tacheles sollste redden mit mir: Haste jetz endlich a festes Haus?" - Auf der Internetseite des "Theater Schachar", Hamburgs einzigem jüdischen Theater, hat dessen Leiter Daniel Haw statt eines Begrüßungskommentars ein Gespräch ins Netz gestellt, das spitzbübisch die Situation widerspiegelt, in der er sich seit Anfang des Jahres befindet. Seit das Theater wegen "unüberbrückbarer Differenzen" aus dem Altonaer "Haus Drei" ins "Haus 7" (Hospitalstr. 111) zog. Beim dortigen "Bündnis Türkischer Einwanderer" ist das Schachar seitdem Gast des türkischen Theaters "tiyatro iletisim". "Hier wurde es endlich mit Herzlichkeit und Wärme aufgenommen", sagt Haw. Hier - und anderswo nicht, sagt der bittere Unterton. Jetzt aber macht das Schachar (hebräisch für "Morgenröte") seinem Namen alle Ehre, denn es gibt einen Streifen Licht am Horizont: Das Theater, das vor allem jüdische Autoren spielt, hat einen neuen Spielort in Aussicht, das ehemalige Ufa-Kino "Studio Bernstorffstraße". Seit Silvester ist dort der Kinobetrieb eingestellt, die Räume stünden sofort zur Verfügung. Es gibt nur ein Problem, und das überrascht kaum: Das Theater hat nicht die finanziellen Mittel. "3000 Euro Miete im Monat bräuchten wir garantiert", so Daniel Haw. "Ins kalte Wasser springen können wir nicht." Zurzeit erhält das Schachar keine Zuwendungen der Stadt - und das wird sich vermutlich auch nicht ändern: "Es ist kein Geld da", erklärt Andreas Ernst, Sprecher der Kulturbehörde. Nicht einmal für nächstes Jahr könne er etwas versprechen, "weil wir nicht wissen, welche Einsparungen auf uns zukommen. Momentan scheitert es selbst an kleineren Beträgen." Außerdem sei das erste Konzept, das Daniel Haw für sein "Studio Schachar" vorgelegt habe, "inhaltlich so nicht tragbar" gewesen. "Es gibt offenbar unterschiedliche Auffassungen darüber, wie umfangreich ein Konzept sein muss", so Ernst. Haws Konzept sieht eine gemischte Nutzung der drei Etagen vor: Den Hauptsaal (204 Plätze) würde das Theater selbst bespielen - außer am Sabbat. An diesem Tag würde der Saal für Filmvorführungen freigegeben, ein Kinobetreiber aus Schleswig-Holstein hat bereits Interesse bekundet. Ihm würde auch der kleine Saal (95 Plätze) zur Verfügung stehen. Zudem laufen Gespräche mit einer israelischen Weinhandlung und der Galerie Thomas Levy. Im Foyer könnte eine Buchhandlung mit Judaika entstehen; auch Stefan Höger, bisheriger Betreiber des "Atrium", ist an einer Fortsetzung seiner Arbeit interessiert. Vor allem aber "braucht Deutschland ein jüdisches Theater", betont Daniel Haw, "weil jüdische Kultur in diesem Land auf den Tod von sechs Millionen Menschen reduziert wird. Es ist aber wichtig, auch die lebendige jüdische Kultur vor Augen zu haben!" Die Kulturbehörde allerdings sieht keine besondere Verpflichtung gegenüber dem jüdischem Theater: "Die Finanzsituation ist die gleiche, ob es nun das englische oder das jüdische Theater ist." Schmuel, der verschmitzte Freund von der Website, kann da nur lächeln: "Könnt es sein, Reb Daniel, dass du bist a bissel naiv? Vielleicht woll'n se euch einfach nicht! Haste schon mal daran gedacht?"