Wenn das mal alles so einfach wär

So in etwa hätte vielleicht die Überschrift in der Donald-Duck-Phase des "FAZ"-Feuilletons ausgesehen, würde dort über jene Vorgänge berichtet werden, die jetzt die Enthüllungs-Abteilung der "Harald Schmidt Show" knallhart aufdeckte: "Grins! Freu! Staun!" Im wohlfeilsten Kulturteil der Nation wird nämlich seit Wochen gut und gern aus Liedtexten der Punkrock-Band "Die Ärzte" zitiert. Kaum ein Tag vergeht ohne eine Anleihe aus deren popliterarischem OEuvre. Schmidt selbst vermutete prompt geheime Botschaften und forderte Aufklärung. Kann er haben, exklusiv im Abendblatt: "Das ist das Vergnügen, das man sich macht, um die tägliche Routine in Kreativität umzusetzen", erläuterte Feuilleton-Chef Patrick Bahners. Gerade durch solche Überschriften würden die Leser in Texte gezogen und dass die "FAZ"-Spaßguerilla bei ihren Formulierungen phasenweise eher auf Texte der Hamburger Indie-Band "Tocotronic" zurückgriff, weil Goethes "Faust" schon zu abgegriffen ist, liege in der Natur der Sache und des Ressorts. "Wie schön, dass Schmidts Show, die ja neben unserem Feuilleton das Forum ist, von dem in diesem Land intellektuelle Maßstäbe gesetzt werden, das auch so erkennt." Die Wortspielereien, so Bahners, seien mit dem Kathedralenbau im Mittelalter vergleichbar. Die Steinmetze hätten damals kleine Verzierungen in abgelegenen Ecken angebracht, die "niemand sieht - außer Gott". Schmidt dürfte dieser Vergleich freuen. Wenigstens in der Unterzeile sollte etwas Vernünftiges stehen, hatte "FAZ"-Herausgeber Schirrmacher in der "Tocotronic"-Phase verfügt. Daran hält man sich nach wie vor: Gerade stand - auch eine "Ärzte"-Anspielung - unter einem Foto von Roberto Benigni, er nerve noch mehr als Yoko Ono.