DJ BoBo

Schweizer Pop-General bringt Mallorca nach Hamburg

Foto: APN / APN/AP

DJ BoBo lud in der o2-World vor 7000 Zuschauern zu einer All-inclusive-Zeitreise des Eurodance mit einem spektakulärem Bühnenbild.

Hamburg. Besucher eines DJ-BoBo-Konzerts haben eine gewisse Erwartungshaltung, was die Bühnenshow angeht. Schließlich hat René Baumann einiges vorzuweisen, was übergroße Aufbauten, merkwürdige Kostüme und Choreografien zwischen Kampfsport und Ausdruckstanz angeht. Und tatsächlich, alles ist so, wie man es vermutet hatte: sehr groß, sehr bunt, sehr laut. Relativ schnell beschleicht einen das Gefühl, es überhaupt nicht mit einem Konzert zu tun zu haben, sondern mit einer abstrusen Mischung aus Musical und Mallorca-Urlaub.

Vor dem Hintergrund einer acht Meter hohen, entfernt an Buddha und Vishnu erinnernden Figur tanzen und singen DJ BoBo, seine Ehefrau Nancy und neun Tänzer. Dabei tragen sie Kostüme, die direkt aus dem Computerspiel "World of Warcraft" zu stammen scheinen. Kriege will DJ BoBo zwar keine führen, aber jeder General hätte gern dasselbe Ausmaß an Kontrolle über seine Truppen, wie es der Schweizer über sein Publikum hat.

Er dirigiert seine Fans in feinster All-inclusive-Resort-Animateurs-Manier. Die auf den sechs Händen der Riesenfigur abgestellten Musiker haben minutenlang Pause, wenn der Schweizer die Menge aufstehen, winken, klatschen, eine La Ola darbieten und Wechselgesänge intonieren lässt. Die knapp 7000 Menschen in der komplett bestuhlten O2 World sind zu all diesen Spielchen gern bereit und feiern sich selbst ebenso wie ihren Star. Als Support hatte der eigentlich längst untergegangen geglaubte Captain Hollywood die altersmäßig bunt gemischte Versammlung mit "Zicke zacke, zicke zacke, hoi hoi hoi"-Rufen schon entsprechend warm gemacht.

Die alten ("Chihuahua"), ganz alten ("Somebody Dance With Me", "Pray") und neuen Titel ("This Is My Time", "Fantasy") kommen durchweg gut an. Jedoch scheinen sie immer wieder zur Nebensache zu werden - vor allem, wenn der "King of Dance" auch noch den aus Fußballstadien bekannten Hit "Seven Nation Army" der White Stripes anstimmt. Natürlich nur das Gitarrenriff, gesungen auf einem Vokal, dem O. Die euphorisierte Menge nimmt den Ball dankbar auf und ruft gegen Ende nicht nach einer Zugabe, sondern skandiert das Riff so lange, bis sich die Künstler wieder eingefunden haben. Nach knapp zwei Stunden endet die Zeitreise: "Wir sehen uns 2012 zu 20 Jahren DJ BoBo!" Ob man dafür schon mal ein Handtuch auf der Liege platzieren sollte?