Kunsthalle Hamburg

"Die Schließung der Galerie der Gegenwart ist ein Hilfeschrei"

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Matthias Gretzschel

Foto: picture-alliance / dpa

Der Streit um die Teilsperrung der Kunsthalle geht in die nächste Runde und wird in Hamburg sowie überregional mit Befremden registriert.

Hamburg. Die Schließung der Galerie der Gegenwart wird jetzt auch überregional mit Befremden registriert. Martin Roth, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die zu den drei größten Museumsverbänden Deutschlands gehören, sagte dem Abendblatt: "Bei allem Verständnis für die wirtschaftliche Lage darf sich der Staat gerade jetzt nicht der Verantwortung für die Kultur entziehen. Es bedarf, um vernünftig zu sparen, klarer und nachvollziehbarer Konzepte. Die Schließung der Galerie der Gegenwart ist ein Hilfeschrei, der ein Grundsatzbekenntnis verlangt. Die Umwandlung der Hamburger Museen in Stiftungen hat Probleme ohne Ende zur Folge gehabt, möglicherweise brauchen die Hamburger Museen eine Neustrukturierung, um eine wirtschaftliche Sanierung erfolgen zu lassen."

Im Feuilleton der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" heißt es unter Bezug auf das Abendblatt-Interview mit Kunsthallen-Direktor Hubertus Gaßner: "Hamburg sitzt in der Griechenland-Falle: Entweder man steckt jetzt so viel Geld in das marode Schiff, dass es wieder auf einen überzeugenden Kurs kommt - oder man lässt es untergehen. Denn am Ende überlebt ein nach dem Stiftungsmodell organisiertes Museum nur dann dauerhaft, wenn es überzeugende, mitreißende Ausstellungen macht. Dafür fehlt jetzt Geld, und eine Schließung ist kein so gutes Signal, wenn man zeigen will, dass es wieder bergauf geht. Das Hamburger Missmanagement ist sicherlich in seinen Ausmaßen beispiellos, aber die durch Wirtschaftskrise und Eurorettung erzwungene Sparwelle wird bald auch anderswo über die Museen rollen."

Inzwischen hatte sich auch Kultursenatorin Karin von Welck endlich zu Wort gemeldet. Auf NDR 90,3 kritisierte sie Hubertus Gaßner heftig für sein Abendblatt-Interview vom Montag ("Auf den Weg in die Provinzialität") und zitierte ihn prompt zu einem Gespräch in die Behörde. Wörtlich sagte die Senatorin: "Ich glaube, er ist sich nicht ganz klar, dass es in der Tat so ist, dass die Kunsthalle doch sehr froh sein muss, doch ein wichtiger Faktor in dem Gesamtbudget der Hamburger Kulturinstitutionen zu sein. 10,7 Millionen ist nicht gerade wenig."

Bereits am Dienstag hatte es ein Gespräch zwischen der Senatorin und Kunsthallen-Geschäftsführer Roman Passarge gegeben. Seither ist Passarge für Stellungnahmen nicht mehr zu erreichen. Stattdessen veröffentlichte die Kunsthalle gestern eine Presserklärung: "Der Vermieter des Gebäudes Galerie der Gegenwart, IMPF, hat mit der Hamburger Kunsthalle letzte Woche die Instandsetzung der Brandschutzklappen terminlich abgestimmt, die unverzüglich vorgenommen werden muss. Zurzeit prüft die IMPF, wie die Arbeiten so gestaltet werden können, dass die Auswirkungen möglichst gering bleiben und bis Ende September abgeschlossen werden können. Die Galerie der Gegenwart soll so rasch wie möglich wieder eröffnet werden."

Ungeachtet dessen sei die Kunsthalle von der Kulturbehörde im März nochmals aufgefordert worden, für 2010 einen ausgeglichenen Wirtschaftsplan vorzulegen. Der Plan sieht für dieses Jahr bisher einen Verlust von 200 000 Euro vor. "Diese Aufforderung", schreibt die Pressestelle der Kunsthalle - vermutlich nicht versehentlich in derselben Mitteilung -, "bedeutet notwendige Einsparungen in dieser Höhe im laufenden Jahr."