Kinder helfen Kindern
Unterstützung für Kinder und Jugendliche
Der Verein unterstützt bedürftige, kranke sowie behinderte Kinder und Jugendliche der Metropolregion Hamburg.

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Veranstaltung im Juni

Mit „Kids in die Clubs“ lernt Benjamin Karate

 Benjamin Rahimi Ghaleh Bin trainiert mit David Schulz Karate im St. Pauli Turnverein

Foto: Michael Rauhe

Benjamin Rahimi Ghaleh Bin trainiert mit David Schulz Karate im St. Pauli Turnverein Foto: Michael Rauhe

Durch die Aktion des Abendblatt-Vereins können Kinder und Jugendliche Sport in Hamburger Vereinen machen

Benjamin kann Japanisch, zumindest die Zahlen von eins bis zehn. „Hitotsu, futatsu, mittsu“, fängt der Zwölfjährige an zu zählen. Eins, zwei, drei. „Die brauchen wir für unsere Übungen“, sagt er ganz cool, als wäre es für ihn das Selbstverständlichste auf der Welt, die nicht gerade alltägliche Sprache zu benutzen. Benjamin Rahimi Ghaleh Bin, Sohn einer deutschen Mutter und eines persischen Vaters, betreibt seit sechs Jahren die japanische Kampfsportart Karate; einmal in der Woche immer eine gute Stunde lang beim St. Pauli Turnverein in der Halle der Rudolf-Ross-Grundschule in der Neustadt. Seinen blauen Gürtel, den 5. Kyu (Schülergrad), trägt er mit Stolz. Die Urkunden für seine bisher fünf erfolgreich absolvierten Technik-Prüfungen hängen als Blickfang in seinem Zimmer.

„Am meisten Spaß macht mir aber das Kämpfen“, sagt er mit glänzenden Augen. Die letzten zehn Minuten jeder Stunde lassen die Trainer David Schulz (2. Dan/Meistergrad) und Birthe Willipinski-Stapelfeldt (3. Dan) die Kinder miteinander rangeln. Füße und Hände fliegen dann durch die Luft, Körper drehen sich geschwind aufeinander zu und wieder weg, alles mit erstaunlicher Disziplin, niemand verletzt sich dabei. Das stimmt nicht immer. Benjamin hat sich schon mal den Finger gebrochen. „Das war allein meine Schuld“, stellt er klar.

Auf die Frage, warum Kinder Karate trainieren sollten, fallen Birthe Willipinski-Stapelfeldt gleich vier Argumente ein: „Komplizierte Bewegungsabläufe und Körperbeherrschung lernen, Disziplin üben, Spaß haben, Selbstvertrauen erlangen, weil man sich, falls nötig, zu verteidigen weiß.“ Respekt zu lernen ist ein fünftes.

Asiatischer Kampfsport wird stets von Ritualen begleitet, etwa dem An- und Abgrüßen. Nachdem sich die beiden Lehrer und ihre zehn Schüler mit dem Gesicht zueinander in den Kniesitz begeben haben, verstummt der Kinderlärm jäh. In diesem Moment herrscht absolute Stille in der Turnhalle, Konzentration füllt den Raum. Nach dieser kurzen Meditation mit geschlossenen Augen folgen die Grußformeln. „Sensei ni Rei“, die Begrüßung des Lehrers, „Otaga ni Rei“, die Begrüßung der Schüler. Danach beginnt das Training. Benjamin und die Karate-Kids legen los, mit für das Alter erstaunlicher Übersicht und dem notwendigen Maß an Vorsicht.

Beim St. Pauli Turnverein von 1862 arbeiten viele Menschen ehrenamtlich mit. Mehr als 500 der rund 1000 Mitglieder sind Kinder und Jugendliche, um die sich der Club besonders sorgt. Das Einzugsgebiet umfasst hauptsächlich das Schanzenviertel, die Stadtteile Neustadt, HafenCity und St. Pauli. Eine eigenständige Institution wurde der heutige Fußball-Zweitligaclub erst 1924, als in den meisten deutschen Turnvereinen die Trennung zwischen Turnen und Ballspiel vollzogen wurde.

24 Kinder und Jugendliche des St. Pauli Turnvereins müssen derzeit keine Beiträge zahlen. Benjamin gehört dazu. Für ihn und die anderen finanziert die Aktion „Kids in die Clubs“ des gemeinnützigen Abendblatt-Vereins „Kinder helfen Kindern“ in Zusammenarbeit mit der Hamburger Sportjugend (HSJ) und der Stadt Hamburg die Vereinsmitgliedschaften. Das Projekt wurde für Kinder und Jugendliche eingerichtet, deren Eltern die monatlichen Beiträge nicht oder nicht vollständig bezahlen können, außerdem gibt es Zuschüsse für Wettkämpfe, Freizeiten und Trikots. Für Familie Rahimi Ghaleh Bin mit ihren drei Kindern ist das eine willkommene Entlastung. Ghaleh bin heißt übrigens: der Mann, der vom Turm schaut. Dort gewinnt man offenbar die Übersicht, die Benjamin beim Karate schon jetzt auszeichnet.

Derzeit beteiligen sich 166 Sportvereine an der Aktion

„Erfreulich ist, wie unbürokratisch und unkompliziert das Verfahren abläuft“, sagt Benjamins Mutter Nicole Sprössel. Astrid Hinck, die Schatzmeisterin des Clubs, hilft seit Jahren dabei, die wenigen Formulare auszufüllen, und wirbt im Stadtteil für die Aktion. An „Kids in die Clubs“ beteiligen sich zurzeit 166 der 818 Hamburger Sportvereine. Die Clubs akzeptieren dabei die fremdfinanzierten Monatsbeiträge von zehn Euro, obwohl diese in vielen ihrer Abteilungen höher sind. Beim St. Pauli Turnverein ist der Beitrag mit 6,50 Euro für Kinder und Jugendliche besonders günstig, ­Erwachsene zahlen hier nur 9,50 Euro.

Die vielfältigen Angebote der Vereine für „Kids in die Clubs“ reichen von Basketball und Fußball über Fechten, Judo, Yoga, Pilates, Capoeira bis zum Voltigieren und Schach. Im vergangenen Jahr wurde dank des Aktionsbündnisses erneut rund 9000 Kindern und Jugendlichen die Mitgliedschaft in einem dieser Vereine ermöglicht. Die Hamburger Sportjugend bemüht sich seit einiger Zeit auf allen behördlichen und politischen Ebenen um eine Aufstockung des Monatsbetrags auf zwölf Euro. Erste positive Signale gibt es dazu.

Seit dem Start der Initiative im Jahr 2005 hat „Kids in die Clubs“ knapp 80.000 Heranwachsende unterstützt, damit sie unabhängig von ihren wirtschaftlichen Verhältnissen regelmäßig Sport im Verein treiben können. Eckpfeiler der Finanzierung bleibt seit 2006 der HSH Nordbank Run, Norddeutschlands größter Spenden- und Firmenlauf.

Mitmachen beim HSH Nordbank Run am 23. Juni

Noch bis zum 30. Mai können sich Firmen-Teams für den vier Kilometer langen HSH Nordbank Run am
23. Juni durch die
Straßen der HafenCity anmelden.

Ein Team für den Benefiz-Lauf besteht aus mindestens zehn Personen, eine Startnummer kostet je nach Teamgröße 15 bis 20 Euro. Darin enthalten sind Startnummer, T-Shirt, HVV-Ticket und die Spende für den Abendblatt-Verein, der damit die Aktion „Kids in die Clubs“ unterstützt. Anmeldungen unter: www.hsh-nordbank-run.de