Hamburg

2000 Flüchtlinge noch immer ohne Asylantrag

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Christoph Heinemann

Viele Flüchtlinge aus dem vergangenen Jahr sind nur oberflächlich registriert. Bundesweit sind Hunderttausende betroffen.

Hamburg/ Nürnberg. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wird den enormen Stau bei den Asylanträgen nach eigenen Angaben schneller als geplant abbauen. Wie eine BAMF-Sprecherin auf Anfrage bestätigte, sollen bis zum Herbst alle in Deutschland untergebrachten Flüchtlinge einen Asylantrag gestellt haben. Bislang lautete der Zeitplan bis zum Jahr 2017. In Hamburg sind etwa 2000 Flüchtlinge aus dem Jahr 2015 noch nicht im Asylverfahren, sie sollen bis Ende Juli vorgeladen werden. Bundesweit wird nach Abendblatt-Informationen von weniger als 300.000 Menschen ausgegangen.

Der Aufholbedarf bei den Asylanträgen ergibt sich aus einer Lücke in dem Computersystem EASY, das die bundesweite Verteilung der Flüchtlinge regelt („Easy-Gap“). So konnten zum Höhepunkt der Flüchtlingskrise die ankommenden Menschen nur grundsätzlich erfasst werden, aber noch keinen Asylantrag stellen. Das BAMF versucht mit zusätzlichem Personal und neuen Koordinierungsstellen, die Lücke zu schließen. Dazu werden etwa die Bewohnerlisten der Unterkünfte mit den bereits registrierten Antragsstellern verglichen und Flüchtlinge persönlich eingeladen.

Ohne Antrag keine Sprachkurse und Sozialleistungen

„Einige Länder konnten den Easy-Gap bereits erfolgreich abbauen“, sagte eine Sprecherin des BAMF: „Diese Länder haben uns mitgeteilt, dass sich in ihrem Zuständigkeitsbereich keine Personen mehr ohne Asylantrag befinden“. In der Vergangenheit wurden aber immer wieder neue Fälle aus dem „EASY Gap“ bekannt. Solange die Zahl der ankommenden Flüchtlinge gering ist, helfen auch die BAMF-Mitarbeiter in den neu geschaffenen Ankunftszentren beim Abbau der Altfälle. In Hamburg beschäftigt das BAMF derzeit rund 180 Mitarbeiter, bundesweit soll die Zahl der Mitarbeiter kurzfristig von 7100 auf 7300 Beschäftigte steigen.

Die Flüchtlinge, die das Asylverfahren nicht durchlaufen haben, haben nur begrenzten Zugang zu Sprachkursen und Sozialleistungen. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit für die Asylanträge liegt weiterhin bei etwa sechs Monaten.