Offen gesagt

Luc Bondy: Alles in die Luft geschrieben?

Armgard Seegers

Armgard Seegers

Foto: Andreas Laible / HA

Mag sein, dass es übertrieben ist, zu behaupten, mit dem Tod von Regisseur Luc Bondy gehe eine Ära am Theater zu Ende. Eine Zeit, in der große Künstler wie Peter Zadek oder Klaus Michael Grüber stil- und meinungsbildende Inszenierungen präsentierten, Aufführungen, die jeder sehen wollte, so schön, so mächtig, so erhellend waren sie. Man redete sich die Köpfe darüber heiß, war beglückt, betroffen, erschrocken und gelegentlich besoffen von dem, was man gesehen hatte.

Gewiss, Peter Stein führt noch Regie, wenn auch nur im Ausland. Die Intendanz von Claus Peymann geht erst 2017 zu Ende. Bob Wilson zitiert sich nur noch selbst und Jürgen Flimm inszeniert ausschließlich Oper. Aber was kommt nach? Die Generation der Kimmigs und Thalheimers ist schon in den besten Jahren, ebenso Matthias Hartmann, den man vom Burgtheater wegjagte. Und ganz sicher steht das Theater jetzt nicht mehr so im Zentrum wie vor Jahrzehnten. Die Freizeit verbringen heute viele anderswo.

Und doch ist es für jene, die ins Theater gehen, immer noch so, dass sie auf den sich ewig einbrennenden Moment warten. Theater ist flüchtig, „in die Luft geschrieben“, wie Bondy es nannte. Die Erinnerungen an Aufführungen, in denen man erkannte, wie Menschen ticken, was sie antreibt, begehren oder töten lässt, die bleiben allerdings. Für immer. Sie wird es hoffentlich im Theater weiter geben.

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