Berlin

Darf man über das gesetzliche Rentenalter hinaus arbeiten?

Berlin. . Die Queen Elizabeth II. feiert bald ihren 90. Geburtstag, ihr hohes Alter veranlasst die rüstige Seniorin aber offensichtlich nicht dazu, ihren „Job“ aufzugeben und sich zur Ruhe zu setzen.

So wie Elizabeth II. halten es viele Briten – sie arbeiten teilweise weit über das gesetzliche Renteneintrittsalter hinaus. Immerhin 15,5 Prozent der Briten zwischen 65 und 74 Jahren nehmen noch am Erwerbsleben teil. In Deutschland arbeiten 8,3 Prozent der Menschen in dieser Altersgruppe, wobei ihr Anteil in den letzten Jahren stark gestiegen ist, wie eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln zeigt.

Dabei arbeiten laut Studie nicht unbedingt die Senioren, die nur über eine magere Altersrente verfügen. Es sind vielmehr die gut ausgebildeten Älteren mit hohen Einkommen, die nicht in den Ruhestand gehen wollen, unter ihnen viele Selbstständige.

Muss man aufhören zu arbeiten, wenn man das gesetzliche Rentenalter erreicht?

Wer über das gesetzliche Rentenalter von aktuell 65 Jahren und vier Monaten (Jahrgang 1950) und demnächst 67 Jahren hinaus arbeiten will, darf dies tun. Rechtlich gesehen ist das ohne Weiteres möglich. Denn das Arbeitsverhältnis von Beschäftigten, die das reguläre Rentenalter erreichen, endet nicht unbedingt automatisch. Zwar regeln viele Arbeits- oder Tarifverträge, dass das Arbeitsverhältnis mit dem Rentenbeginn endet, aber dies muss eben dort fixiert sein, sonst besteht das Arbeitsverhältnis über den Rentenbeginn fort.

„Wenn zum Beispiel der Arbeitsvertrag eines Beschäftigten nicht explizit festlegt, dass mit Erreichen des Rentenalters das Arbeitsverhältnis endet, darf und muss man sogar weiter tätig sein, die Pflichten aus dem Arbeitsvertrag bestehen weiterhin fort“, sagt der Rechtsanwalt Jakob T. Lange von der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). „Das Arbeitsverhältnis läuft dann einfach zu den alten Konditionen weiter. Selbstverständlich steht es dem Arbeitnehmer frei, das Arbeitsverhältnis zu kündigen.“

Weiterbeschäftigung:

Vereinbarung mit dem

Arbeitgeber treffen

In den Fällen, in denen Arbeits- oder Tarifverträge Altersgrenzen für Beschäftigte enthalten, endet das Arbeitsverhältnis, wenn die Arbeitnehmer das gesetzliche Rentenalter erreichen – es sei denn, sie treffen mit ihrem Arbeitgeber eine andere Vereinbarung.

Es gibt also auch in diesem Fall die Möglichkeit, dass Beschäftigte weiterarbeiten können: „Wer weiter tätig sein will, kann mit seinem Arbeitgeber einen neuen Arbeitsvertrag schließen“, sagt der Rechtsanwalt Jakob T. Lange. „Wie die Konditionen dieses neuen Vertrages aussehen, ob sie dann etwa eine Befristung des Arbeitsverhältnisses oder eine verringerte Arbeitszeit beinhalten, ist Verhandlungssache.“

Allerdings haben Beschäftigte in solchen Fällen keinen gesetzlichen Anspruch darauf, dass der Arbeitgeber sie nach dem Rentenbeginn weiter beschäftigt. Er kann dies tun, muss es aber nicht.

Gelten für Rentner andere arbeitsrechtliche Regeln als für jüngere Beschäftigte?

Für Beschäftigte jenseits des Rentenalters ändert sich arbeitsrechtlich nicht viel – wie ihre jüngeren Kollegen haben sie Anspruch auf Urlaub oder Entgeltfortzahlung, wenn sie krank werden. Auch gilt für sie das Kündigungsschutzgesetz, wenn dieses in ihrem Betrieb oder Unternehmen greift. Senioren müssen aber nicht mehr in die Arbeitslosenversicherung einzahlen.