Humor-Gipfel

Humor ist mehr als reine Unterhaltung

Kabarettist Anton Grübener

Kabarettist Anton Grübener

Foto: Linn Schroeder

Oft wird den Deutschen unterstellt, sie hätten keinen Humor. Das stimmt. Wie meine Katze nicht müde wird, mir es bei meinen Auftritten zu erzählen. Zahlreiche wissenschaftlich fingierte Studien belegen: 87 Prozent der Bevölkerung leiden unter akutem Humormangel, allein davon 97 Prozent unter einer besorgniserregenden Unterversorgung.

Diese frei erfundenen Zahlen sind alarmierend und lassen aufhorchen. Aufhorchen und innehalten, denn der Mensch kann bekanntermaßen drei Wochen ohne Essen, drei Tage ohne Wasser und ein ganzes Leben mit einer mangelhaften Sexperformance überleben, aber keinen Tag ohne Humor.

Der Organismus arbeitet dann zwar auf einem ganz niveaulosen lebenserhaltenden Modus weiter, ein Leben kann man das jedoch, selbst bei Licht unter dem stärksten Elektronenmikroskop betrachtet, nicht nennen und niemand möchte nur eine Sekunde mit diesen armen Teufeln tauschen.

Durch die Vertreibung und Auslöschung seiner besten Humorarbeiter und -arbeiterinnen hat das Land starken Schaden erlitten, von dem es sich bis heute nicht erholt hat. Und es sich darüber kein Witz machen lässt.

Viele unterliegen heute der Illusion, durch täglichen Konsum der Medien mit ausreichend Humor in Kontakt zu kommen. Ein oft tragischer Trugschluss, denn bei dem meisten, was in der gängigen Medienlandschaft zu sehen ist, handelt es sich um ein billiges Humorsurrogat und minderwertige Nachbauten.

Dargeboten von windigen Humordarstellern, welche den angeblichen Geschmack des Publikums zu treffen wähnen und auf längst verlorenem Posten deren Bedürfnisse zu befriedigen versuchen. Wodurch sich auch schnell nach deren Konsum wieder das Gefühl der inneren Leere einstellt. Auf Dauer schadet das allen Beteiligten und führt zum Verlust jeglichem menschlichen Empfindens.

Was sollen nun die Deutschen tun? Ein einfaches zum Lachen in den Keller gehen wird da nicht ausreichen. Denn was haben sie dort eingelagert, mit dem sie sich in Notzeiten versorgen könnten? Die ernüchternde Antwort ist: Nichts!

Mit viel Geduld finden Glückliche in einer staubigen Ecke einen schönen Witz aus Kindertagen, das wäre ein Anfang. Doch auf einen echten Schatz werden die wenigsten stoßen. Was also tun bei anhaltendem Vitamin H Mangel?

Es empfiehlt sich der Griff zu den alten Meistern. Zum Beispiel ist für Freunde der humorvollen Zeichnung und Textkombination Wilhelm Busch zu empfehlen. Auch sei der tiefgründige Leichtsinn Karl Valentins und Liesel Karlstadts selbst dem Hanseaten ans salzwassergegerbte Herz und Zwerchfell gelegt.

Darüber hinaus kann beim Besuch der 2. Hamburger Humor-Vollversammlung vielerlei Humoriges in kleinsten homöopathischen Dosen verabreicht genossen werden. Auch kann man dabei fast umsonst testen, ob eine Humorallergie vorliegt. Welche aber bei von Herzen kommendem Humor selten der Fall ist.

Wer Humor als reine Unterhaltung ansieht, hat den Zug nicht abfahren gehört. Humor ist im besten Sinne eine Geistesform, die überraschend, erhellend, anregend, gerne auch verstörend, auf den Menschen wirken sollte. Oder ist Humor einfach nur, wie im Medizinischen, Körperflüssigkeit, ohne deren Existenz wir allesamt nur ein trockener alter Haufen Hornhaut wären?

Ein weiterer wertvoller Tipp wäre, sich einfach nicht als Deutscher zu fühlen, damit ist man automatisch der treudoofen Erfüllung des Stereotyp des humorlosen Deutschen entbunden. Da gilt wie überall: Alles ist erlaubt, wenn’s schön macht und dem Guten dient. Jedenfalls wünsche ich allen Menschen und Tieren viel Erfolg bei ihrer persönlichen Reise zum Humor.

Anton Grübener gastiert mit seinem Soloprogramm „Der Bart ist ab – mach doch mal was Lustiges!“ und seinem Puppenspiel für Erwachsene „Die abenteuerliche Reise zum Supervulkan“; Termine und Kostproben: http://www.anton-gruebener.de