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Der Kampf gegen Verletzungen

Mit dem Programm „Sei kein Dummy“ versucht die VBG, Trainer im Amateurbereich anzulernen und zu informieren

Zu Beginn des Sommertrainings zur Saisonvorbereitung brachte Nabil Toumi diese Kiste mit. Seine Jungs schauten etwas sparsam, was soll das? Das Ding war aus Blech, etwa DIN A5-Größe. Der Trainer des Landesligisten Harburger TB holte immer wieder eine laminierte Karte aus der Box, auf der bestimmte Übungen dargestellt waren, die sollten die Spieler nun durchführen. „Es waren einige Übungen dabei, die den Jungs wirklich Spaß gemacht haben. Auch zahlreiche neue Sachen, die ein wenig Abwechslung und Spannung in das Training gebracht haben“, erzählt Toumi.

Der 32-jährige A-Lizenztrainer hatte sich schon länger mit Themen wie Fitnesstraining und Verletzungsprävention beschäftigt. „Mir nützt die beste Mannschaft nichts, wenn meine fünf stärksten Spieler wegen Verletzungen nicht einsatzfähig sind“, spricht Toumi eine Binsenweisheit aus, „also versuche ich, die Verletzungen zu vermeiden.“

Eben dafür dienen die Trainingstipps, die die VBG als für Sportvereine zuständige Unfallversicherung entwickelt hat. Zielgruppe der Trainingsübungen, die man auch im Internet im Rahmen der Kampagne „Sei kein Dummy“ findet, sind zunächst Trainer und Clubs aus dem Amateurfußball-Bereich. „Unser Ziel ist, präventive Maßnahmen in die Vereine zu bringen“, sagt Christian Klein, Präventionsexperte Sport der VBG, „Verletzungen im Amateurfußball sind mit einer besseren Aufklärung der Trainer und Spieler mit großer Sicherheit erheblich zu reduzieren.“

Rund 1,2 Millionen Sportler müssen jedes Jahr ärztlich versorgt werden

Dabei denkt die VBG auch, aber nicht nur, an die Gesundheit der Aktiven. Tatsächlich bedeuten Verletzungen und ihre Rehabilitation für die Versicherung gewaltige Kosten. Rund 1,2 Millionen Sportler in Deutschland verletzen sich jedes Jahr so schwer, dass sie ärztlich versorgt werden müssen. Die Behandlungskosten aller Unfälle im organisierten Vereinssport liegen bei über 500 Millionen Euro jährlich. Mit Abstand die meisten dieser verletzten Sportler kommen aus dem Fußball, nämlich knapp 46 Prozent. Bei den Männern sind es sogar rund 56 Prozent. Da ist es absolut nachvollziehbar, dass die VBG mit ihrer Kampagne versucht, die Zahl der Verletzungen zu minimieren.

Klein hält deshalb auch Vorträge bei der Trainerausbildung des DFB, am 6. Juni findet in der Arena „auf Schalke“ ein Präventionssymposium Fußball statt. Er lehnt auch die gerne benutzten Begriffe wie „Pech“ oder „Seuche“ im Zusammenhang mit Verletzungen ab: „Wir denken, dass es Maßnahmen dagegen gibt, und ein Großteil der Verletzungen tatsächlich vermeidbar sind.“

Das gilt vor allem für die „Nicht-Kontakt-Verletzungen“, wie Muskelfaserrisse nach Sprints. Es gilt aber auch für Verletzungen nach indirekten Kontakten, wenn sich ein Spieler nach einem Kopfballduell bei der Landung verletzt. Toumi hat die entsprechenden Übungen zur Stabilisierung und Stärkung des gesamten Muskelgürtels Bein-Po-Rücken in sein Training integriert, er macht intern und bei seinen Kollegen reichlich Werbung für das Programm. Mit Erfolg, wie er meint. „Auch im Amateurbereich kommen jetzt immer mehr junge Trainer, die neuen Erkenntnissen gegenüber aufgeschlossen sind“, sagt er.