Handball

Bundesliga zieht Konsequenzen aus dem „Fall Hamburg“

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Die Lizenzierungsrichtlinien werden auf den Prüfstand gestellt. Das Prüfverfahren soll künftig bereits einen Monat eher abgeschlossen sein. Hintergrund ist die vor Gericht durchgesetzte HSV-Lizenz.

Düsseldorf. Die Handball-Bundesliga will als Konsequenz aus dem Fall HSV Hamburg ihre Lizenzierungsrichtlinien auf den Prüfstand stellen. Zudem soll das Prüfverfahren künftig bereits im April statt im Mai abgeschlossen sein. „Wir werden die Lizenzierungsrichtlinien dem Gerichtsbeschluss anpassen“, sagte Holger Kaiser, Geschäftsführer des Ligaverbandes HBL, am Donnerstag in Düsseldorf.

In der Rhein-Metropole setzten die Vertreter aller Clubs der 1. und 2. Bundesliga ihre Mitgliederversammlung fort. Auf dem Programm stand unter anderem die Wahl eines neuen Präsidenten. Einziger Kandidat auf die Nachfolge des scheidenden Reiner Witte, der sich aus privaten Gründen nicht zur Wiederwahl stellt, war der frühere THW Kiel-Manager Uwe Schwenker, der auch mit einer deutlichen Mehrheit gewählt wurde.

Der 55-jährige Schwenker war in seiner aktiven Zeit, die er ausschließlich beim TV Grambke-Bremen (1978-1980) und beim THW Kiel (1980-1992) verbrachte, einer der besten Linksaußen der Welt. Für Deutschland bestritt er 72 Länderspiele, in denen er 164 Tore erzielte. Bei Olympia 1984 in Los Angeles gewann er mit der deutschen Mannschaft die Silbermedaille.

Von 1992 bis 2009 war Uwe Schwenker Manager des THW Kiel. In seiner Amtszeit gewann der Verein insgesamt 25 nationale und internationale Titel. Im Zuge des Champions-League-Finales 2007 zwischen Kiel und der SG Flensburg-Handewitt sah sich Schwenker mit mittlerweile juristisch ausgeräumten Bestechungsvorwürfen konfrontiert, die dazu führten, dass sein unbefristeter Vertrag in Kiel Ende Juni 2009 in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst wurde. In der abgelaufenen Saison war Uwe Schwenker Berater beim Zweitligisten HC Empor Rostock.

„Das ist eine Katastrophe“


„Wir müssen ein großes Interesse daran haben, die Lokomotive unserer Sportart wieder flott zu machen“, sagte Schwenker. Und weiter: „Ich habe seit 30 Jahren im Handball gewirkt, habe den Handball im Herzen, und es ist eine Herausforderung, dieses Top-Produkt 1. und 2. Bundesliga, worum uns alle europäischen Nationen beneiden, zu festigen, zu positionieren und für die Zukunft auf die Beine zu bringen.“

Doch allein die Malaise um die Lizenz für den HSV Hamburg und die Aufstockung der Liga auf 19 Mannschaften sorgte für Unmut. „Das ist kontrovers diskutiert worden“, berichtete Schwenker aus der Versammlung hinter verschlossenen Türen. Denn alle Clubs haben bereits Dauerkarten verkauft, die das zusätzliche Heimspiel nicht beinhalten. „Das ist eine Katastrophe“, erklärte Ellwardt stellvertretend. Er produziere Kosten in Höhe von 100 000 Euro, die er nur über den Kartenverkauf an der Abendkasse refinanzieren könne. Zudem müsse ein Termin gefunden werden, an dem die Halle verfügbar ist. „Das ist bei anderen auch so“, sagte Ellwardt.

Dennoch haben sich die 39 Profi-Handball-Clubs den Aufbruch in eine bessere Zukunft auf die Fahnen geschrieben. „Die Besetzung im Präsidium ist auf die Zukunft gerichtet“, urteilte DHB-Präsident Bernhard Bauer. Sein künftiges Präsidiumsmitglied Schwenker kann sich zumindest einer extrem großen Mehrheit der Vereine sicher sein. „Zumindest was das Wahlergebnis betraf, ist es eine breite und große Unterstützung“, sagte er.

Erst einmal aber will er sich nun mit seinen zahlreichen Aufgaben vertraut machen. Dazu gehört auch eine Übergabe von seinem Freund und Vorgänger Reiner Witte. „Das wird sehr unkompliziert. Wahrscheinlich werden wir eine Runde Golf spielen, die Frauen werden sich zurückziehen und Reiner und ich werden dann noch ein paar Arbeitsstunden haben“, sagte Schwenker.