Kampf gegen Ferienwohnungen

Hamburg verschärft die Regeln für die Vermietung von Wohnraum in der Stadt an Touristen. Nachbarn sollen Auffälligkeiten melden

Wenn auf St. Pauli oder in Ottensen die Räder von Rollkoffern über den Bürgersteig rumpeln, sind wahrscheinlich wieder ein paar junge Städtereisende unterwegs, die sich ein paar Tage in eine Privatwohnung eingemietet haben. Hamburg-Gäste, die mit Koffer und Taschen bepackt in Mietshäuser einziehen, werden in der Hansestadt immer häufiger. Die Individualtouristen meiden Hotels und mieten sich lieber dort ein, wo die Hamburger selber gerne wohnen und ausgehen, bekommen dafür Lokalkolorit und Geheimtipps für das Restaurant um die Ecke. Vielen Nachbarn allerdings, die von Lärm aus dem Flur und Partygästen genervt sind, und der Hotellerie, die den aufkeimenden Wettbewerb fürchtet, ist der Trend ein Dorn im Auge.

Hamburg hat jetzt auf die Debatte um den Tourismustrend reagiert und die Regeln für die „Privat-Hoteliers“ angepasst. In der Hansestadt gilt jetzt folgende Gesetzgebung für die private Vermietung an Gäste: Es ist erlaubt, weniger als die Hälfte der eigenen Wohnfläche Touristen zur Zwischenmiete anzubieten, also etwa nur ein Zimmer. Legal ist die Ferienvermietung auch, wenn der Mieter die Zimmer den Großteil des Jahres selbst nutzt.

„Die Hauptwohnung darf während vorübergehender Abwesenheit des Nutzungsberechtigten Dritten auch entgeltlich überlassen werden. Der Charakter der Wohnnutzung muss aber erhalten bleiben“, konkretisiert Kerstin Graupner von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) die Regelung. Entscheidend sei aber letztlich der Einzelfall, sagt die Sprecherin der Behörde, und nennt noch ein Beispiel: „Wer seine Wohnung vorübergehend, etwa während des Urlaubs, anderen gegen Zahlung einer Miete überlässt, macht sich nicht automatisch strafbar. Wichtig ist, dass der Charakter der Wohnnutzung erhalten bleibt und dass der Mieter oder Eigentümer die Wohnung mindestens sechs Monate pro Jahr selbst zu Wohnzwecken nutzt.“

Haupttreiber für die wachsende Anzahl von Wohnungen, die von den Mietern oder Eigentümern lukrativ als Ferienunterkünfte angeboten werden, sind Internetportale wie Airbnb und 9flats.com. Für diesen Service nimmt Airbnb eine Gebühr von drei Prozent des Zimmerpreises sowie sechs bis zwölf Prozent von den Mietern, je nach Preis der gewählten Unterkunft.

Die Internetportale verdienen durch die Gebühren, und die Wohnungsbesitzer locken hohe Einkünfte: Je nach Lage kann der Anbieter einer Wohnung mehr als 100 Euro verlangen, pro Tag. Da ist die eigene Miete schnell wieder drin und hohe Gewinne locken zusätzlich, denn die meisten Untervermieter versteuern ihre Einkünfte nicht.

„Wir gehen von rund 800 Ferienwohnungen in Hamburg aus. Die meisten davon werden unrechtmäßig als Ferienunterkunft genutzt“, sagt Behördensprecherin Kerstin Graupner. Nur für einige wenige Wohnungen sei für diese Nutzung offiziell eine Genehmigung erteilt worden. Die Nutzung von Wohnraum als Ferienunterkunft steht insbesondere angesichts stetig steigender Mieten und gleichzeitig knappem Angebot in der Hansestadt in der Kritik. „Die Zweckentfremdung von Wohnraum ist in Hamburg bereits seit 1971 nur mit Genehmigung zulässig“, ergänzt Kerstin Graupner mit Blick auf die Ferienwohnungen. Die Gesetzesnovellierung diene nun aber auch dazu, Verstöße gegen das Zweckentfremdungsverbot noch effektiver und gezielter zu bekämpfen.

„Wir haben hierzulande eine gefühlte Mietpreisexplosion“, sagt der 9flats.com-Gründer Stephan Uhrenbacher. „Da kommt Politikern aller Parteien der Sündenbock Ferienwohnungsanbieter gerade recht. Dabei sieht die Realität ganz anders aus. In Hamburg fehlen bis zu 40.000 Wohnungen. Unser Portal bietet aber nur 1000 möblierte Wohnungen an“, sagt der Unternehmer.

„Die Bezirke setzen zusätzliches Personal speziell für die Bekämpfung rechtswidriger Ferienwohnungen ein“, sagt Kerstin Graupner. Insgesamt kontrollierten 15 Mitarbeiter die Nutzung der Hamburger Wohnungen. Es könne aber nicht der gesamte Hamburger Wohnungsbestand von Amts wegen überprüft werden. „Die Behörden sind daher auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen“, ruft Kerstin Graupner die Nachbarn dazu auf, sich bei Auffälligkeiten im Haus an die Behörde zu wenden. Übrigens: Bereits die Anbahnung einer Zweckentfremdung, etwa durch eine Ferienwohnungsanzeige im Internet, kann mit einem Bußgeld von bis zu 50.000Euro bestraft werden.