Kleine Studios gegen große Clubs

Mit neuen Trainingsprogrammen wird die Fitnessbranche in Hamburg aufgemischt

Zwei Seile mit Griffen am Ende hängen von der Decke herab. Anja Bretschneider aus Volksdorf stützt sich sich in die Seile und streckt ihren Körper nach vorn. Die Übung sieht leicht aus, hat es aber in sich. Armin Schwencke, Inhaber des Royal Sports Club in Volksdorf gibt Hilfestellung. „Das TRX-Training erfordert für die meisten die Begleitung durch einen Trainer“, sagt Schwencke.

TRX ist ein Ganzkörpertraining, bei dem nur Schwerkraft und das eigene Gewicht eingesetzt werden. Es ist einer der vielen neuen Trends in der Fitnessbranche. Hunderte von Übungen sind möglich, bei denen vor allem Brust, Rücken und das Gleichgewicht trainiert werden.

Noch trainieren die meisten der 233.000 Hamburger, die Mitglied in einem Fitnessclub sind, in inhabergeführten Studios wie dem Royal Sports Club. Doch ihr Anteil am Markt verschiebt sich seit Jahren zu Gunsten der Ketten, hat Niels Gronau, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Edelhelfer beobachtet. Ihr Marktanteil liegt inzwischen bei 47 Prozent. Vor fünf Jahren waren es erst 35 Prozent.

„Der Weg in das Fitnessstudio darf nicht länger als 20 Minuten sein“, sagt Gronau. Andere Trainingskonzepte sprechen vor allem die über 55-Jährigen an, die als noch nicht ausgeschöpfte Zielgruppe gelten. Im Gegensatz zu den USA oder den Niederlanden, wo bereits 15 Prozent der Gesamtbevölkerung in Fitnessstudios trainieren, gibt es in Hamburg mit einer Quote von 13 Prozent noch Entwicklungspotenzial.

Hier zeigt sich, wie dynamisch der Markt ist. Meridian Spa wird hier noch zwei weitere Standorte eröffnen. Bereits im Bau ist das 4200 Quadratmeter große Objekt an der Fuhlsbüttler Straße in Barmbek. „Wir rechnen mit der Eröffnung im Frühsommer 2014“, sagt Leo Eckstein, Geschäftsführender Gesellschafter der Hamburger Unternehmens. Zusammen mit einem Investor soll im Othmarschen Park das sechste Meridian Spa in Hamburg entstehen. Aktuell hat Meridian Spa 24.000 Mitglieder in Hamburg.

Doch die Ketten stehen in Konkurrenz zu neuen Angebotsformen. Thomas Thiele betreibt inzwischen sein zweites Bodystreet-Studio, eines davon am Alten Wall. Für die Elektro-Muskel-Stimulation (EMS) reichen wenig Platz und Zeit. Über eine spezielle Trainingskleidung werden während der Übungen gleichzeitig elektrische Impulse auf die Muskeln übertragen. Die Zielgruppe ist klar: Geschäftsleute in der Innenstadt, die wenig Zeit haben. Mehr als 20 Minuten werden für eine Trainingseinheit nicht benötigt. „Wir sprechen Leute an, die bisher keinen Sport gemacht haben“, sagt Thiele, der bereits einen weiteren Standort in der Hansestadt plant.

Elisabeth Hachmann betreibt in Hamburg im Rahmen eines Franchisesystems die erste Crossfit-Box. So heißen solche Fitnessstudios, deren Grundstein in den USA gelegt wurde. „Wir trainieren in Gruppen“, sagt die Chefin Elisabeth Hachmann. „Jedes Training wird neu zusammengestellt. Die Sportler wissen vorher nicht, was auf sie zukommt.“ Der Andrang ist groß. „Wir werden von der City Nord nach Barmbek umziehen und unsere Fläche auf rund 1000 Quadratmeter verdreifachen“, sagt Hachmann. „Es ist für die Branche gut, wenn immer wieder neue Trends entstehen, denn die Branche braucht neue Impulse, weil auch die Kunden anspruchsvoller werden“, sagt Gronau. Der deutsche Fitnessmarkt ist eines der am schnellsten wachsenden Sportsegmente in Deutschland. Die vielen neuen Sportangebote verstärken den Druck auf die etablierten Studios. Schon jeder vierte Betrieb in Hamburg ist ein Nischenanbieter mit einer Trainingsfläche von weniger als 200 Quadratmeter. Doch Experte Gronau sieht noch genügend Spielraum für alle Betriebsformen. „Denn in Deutschland gibt es mit McFit, Fitness First, Kieser und Injoy nur vier wirklich große Ketten. Die Stärke der inhabergeführten Einzelbetriebe ist die Betonung von Dienstleistungen und persönlicher Betreuung“, sagt Gronau.

Peter Bensberg ist mit seinem Sportstudio Vita Med im Krohnstieg-Center auf Expansionskurs. Mit dem neuen Domizil konnte er die Fläche fast verdoppeln. „Grund war der starke Zulauf“, sagt er. Die Ursache dafür sieht er in der persönlichen Ansprache. „Wir kennen unsere Mitglieder und ihre Probleme“, sagt Bensberg. So richtet er sein Angebot auch auf über 40-Jährige aus, die nicht viel Zeit, aber Rückenprobleme haben. „Schon mit einem Training von zwei mal 35 Minuten in der Woche kann man gegen diese Probleme angehen“, sagt Bensberg. Außerdem bietet er Sport auf Rezept. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen bis zu 80Prozent die Kosten für einen solchen acht- bis zwölfwöchigen Kurs, zum Beispiel für Herz-Kreislauf- oder Rückentraining.

Obwohl in Hamburg schon überdurchschnittlich viele Menschen Mitglied in einem Fitnessclub sind, ist Bensberg sehr optimistisch. „Die Zahl der Fitnesstreibenden wird sich noch verdoppeln“, erwartet er.

Die Zahl der Fitnesstreibenden wird sich noch verdoppeln.

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