Die Apotheke, die ins Haus kommt

Jörg Dumke baute mit seiner Frau den Medizin-Versandhandel apo-rot auf

Für den Beruf des Apothekers konnte sich Jörg Dumke nicht begeistern, als er am Beginn seines Arbeitslebens stand: "Meine Eltern waren Apotheker. Ich hatte eigentlich damals nicht vor, in das Apothekengeschäft einzusteigen", sagt er im Versandzentrum seines Unternehmens apo-rot auf dem Gelände des Alten Gaswerks. Selbstständig wollte er sich zwar einmal machen, diesen Vorsatz hatte er schon nach der Schule gefasst. Allerdings wählte er dafür zunächst eine ganz andere Richtung und studierte in Flensburg Automationstechnik.

In seiner Karriere liegt die Ironie, dass er schon wenige Jahre später dann doch ganz nah an den Beruf seiner Eltern herangerückt war, dass er ihn mit modernsten Methoden in das Zeitalter des Internets transferierte und dass ihm sein Studium zum Ingenieur dafür entscheidende Fähigkeiten und Impulse gab. "Nach meinem Studium kam ich durch meine jetzige Frau, die als Apothekerin tätig war, wieder mit der Apothekenbranche in Berührung", sagt er. "Ich absolvierte noch eine Ausbildung zum Pharmazeutisch Technischen Assistenten. Gemeinsam mit meinem Bruder und meiner Frau übernahm ich dann die Apotheke meines Vaters. Sie war die Grundlage für unser heutiges Unternehmen."

Mit einer klassischen Apotheke hat apo-rot jedoch nur noch bedingt zu tun. Zwar unterhält das Unternehmen vier eigene Filialen, darunter das Stammgeschäft der Familie an der Rothenbaumchaussee - der Straßenname ist Bestandteil des heutigen Firmennamens. Den weitaus größten Teil des Umsatzes aber macht apo-rot im Versandhandel mit rund 1,5 Millionen Kunden.

Anfang der 2000er-Jahre entwickelte Dumke gemeinsam mit einem befreundeten Software-Unternehmer Shop-Konzepte für den Apothekenhandel im Internet. Apo-rot expandierte schnell. Die Mannschaft wuchs vom Gründerteam auf heute rund 450 Mitarbeiter. Von seinem ursprünglichen Sitz an der Rothenbaumchaussee zog der Versandhandel in das alte Industrieareal in Bahrenfeld. "Im Versandhandel habe ich anfangs alles mehr oder weniger selbst gemacht: vom Einkauf über das Marketing bis zum Packen der Pakete", sagt Dumke in der Versandhalle, in der die Sortiermaschinen rattern und die Mitarbeiter Waren stapeln. "Heutzutage gebe ich vor allem die Leitlinien im Unternehmen vor und sorge dafür, dass sie eingehalten werden."

Etliche der heutigen Mitarbeiter, sagt Dumke, haben sich als Studenten etwas hinzuverdient, sie hielten den Kontakt zum Unternehmen. "Die ursprüngliche Nähe zur Universität, die wir an der Rothenbaumchaussee hatten, pflegen wir auch nach dem Umzug nach Bahrenfeld weiter, nicht zuletzt deshalb, weil wir dadurch ein großes Potenzial an jungen und gut qualifizierten Mitarbeitern erschließen können."

Birgit Dumke ist Gründerin und Inhaberin von apo-rot, sie führt die Apotheken vor Ort. Jörg Dumke verantwortet als Geschäftsführender Gesellschafter vor allem den Versandhandel, die Kreation und Pflege von Eigenmarken, aber auch das Personalmanagement. Bei apo-rot verbinden sich Tradition und Moderne, die Zuverlässigkeit einer etablierten Apotheke und die Geschwindigkeit des internet-basierten Handels. Das Sortiment umfasst mittlerweile mehr als 200.000 Artikel, von Arzneimitteln über Kosmetik- und Körperpflegeprodukte bis hin zu Brillen und Linsen, von Nahrungsmitteln bis zum Tierbedarf.

Das Geschäft reicht längst weit über Hamburg und Deutschland hinaus. In eher strukturschwachen Regionen Skandinaviens mit schlechter Apothekenversorgung zum Beispiel bestellen Kunden - ebenso wie in Griechenland. "Interessanterweise boomt bei uns derzeit das Versandgeschäft mit Griechenland, etwa bei Babynahrung", sagt Dumke. "Das liegt aber nicht daran, dass wir diese Produkte viel günstiger anbieten als der dortige Markt, sondern an der Verschlechterung der Versorgungsmöglichkeiten in den griechischen Städten und Orten."

In Deutschland hingegen spielt die Preisbildung für den Erfolg von apo-rot eine zentrale Rolle. "Wir sind 25 bis 55 Prozent günstiger als eine normale Apotheke vor Ort", sagt Dumke. "Nach wie vor gibt es viel Spielraum für Preissenkungen. Bloß beteiligen sich die wenigsten Apotheker daran und verkaufen die Arzneimittel noch immer zum klassischen Apothekenverkaufspreis."