Paare auf der Bühne - und dahinter

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Hans-Juergen Fink

In John Neumeiers Hamburg Ballett tanzt eine Reihe Verliebter. Erstaunlich, was sie erzählen

Klaus Witzeling

Tanzen in einer Compagnie mit Weltruf ist harte Arbeit, mit wenig Zeit fürs private Glück? Stimmt nicht: In John Neumeiers Hamburg Ballett gibt es eine ganze Reihe glücklicher Paare, die Romeo und Julia, Hamlet und Ophelia oder Tatjana und Onegin nicht nur gemeinsam tanzen, sondern auch das Leben jenseits der Bühne teilen.

Silvia Azzoni und Alexandre Riabko, beide Erste Solisten und im Ballett seit 1993 und 1996, hatten schon kleinere Rollen zusammen getanzt. "Dann gab es im Jahr 2000 Proben zu Hamlet", sagt die Italienerin Silvia Azzoni. "Da hat es, glaub' ich, geklickt."

Carolina Agüero, Erste Solistin, und Dario Franconi, Solist, kennen sich aus Jugendzeiten. "Wir kommen beide aus Córdoba, Argentinien, und haben dort nur ein paar Straßen voneinander entfernt gewohnt", erzählt Carolina. Gemeinsame Herkunft, Leidenschaft fürs Ballett und die Liebe verbindet das Paar. Erst in Dresden und dann sechs Jahre beim Finnischen Nationalballett.

Anna Laudere und Edvin Revazov, beide Erste Solisten, waren lange Zeit Freunde. "Als meine Mutter starb, kümmerte er sich um mich, so kamen wir uns näher." Es sei nicht so einfach, einen Partner zu finden. "Tanzen ist kein Job, den man um 17 Uhr beendet, sondern eine Lebensweise", sagen beide.

Anna Polikarpova und Ivan Urban, auch sie Erste Solisten, haben acht Jahre gebraucht, um zu spüren, dass sie mehr verbindet als das Tanzen.

Acht Jahre sind eine lange Zeit, aber dann geht's manchmal doch schnell mit dem Heiraten. Anna Polikarpova erzählt: "Das war auf einer Tournee durch die USA. Aufgrund des Jetlags konnte Ivan nicht schlafen, sagte plötzlich: ,Lass uns heiraten' - um fünf Uhr morgens. Dann sind wir nach Las Vegas geflogen." Auch Alexandre Riabko fragte Silvia Azzoni während einer Tournee, 2005 in Italien. Bis dahin war sich Azzoni sicher: "Ich heirate nie. Dann hat Sascha mich gefragt, und es hat keine Sekunde gedauert, und ich wusste: Ja, das ist der Mann."

Gemeinsam, da sind sich alle einig, findet man leichter den richtigen Weg zur tänzerischen Perfektion, aber die Auseinandersetzung um den Weg dahin ist persönlicher und schonungsloser als mit anderen Tanzpartnern. Carolina Agüero sagt: "Alle Paare kämpfen doch miteinander. Bin ich mal schlechter Laune, kann es im Studio passieren, dass ich was sage, was ich zu einem anderen nicht sagen würde. Aber auf der Bühne ist alles vergessen."

Tanzen sie am liebsten gemeinsam? Das "Ja" ist bei allen eindeutig, und dafür gibt es wunderbare Rollen. Polikarpova und Urban nennen Cinderella und den Prinzen. Oder die Kameliendame. Die mögen auch Anna Laudere und Edvin Revazov. Sicher ist: "Am Ende sind wir, wenn wir auf der Bühne zusammen tanzen, immer glücklich."

Gibt's da auch mal Eifersucht? Silvia Azzoni lacht: "Wenn ich mal bei den Proben von Sascha zugucke, und er tanzt mit einer anderen, genieße ich das, ich sehe ihn noch mal mit ganz anderen Augen." Riabko stimmt ihr zu: "Unsere Kollegen machen sich sehr viel mehr Sorgen, wenn ich in einer Rolle mal eine andere küssen muss."

Ob reale Beziehungen zwischen den Paaren John Neumeiers choreografische Arbeit beeinflussen? "Er weiß sicher, dass da eine besondere Spannung ist", vermutet Anna Polikarpova.

Aber nicht nur das Tanzen gewinnt; auch Familie lässt sich leichter organisieren. Natalia Lucila, die Tochter von Agüero und Franconi, ist acht Monate alt. Vater zu sein, sagt Dario, sei das Beste, was er erlebt habe. "Es gibt mir noch mehr Energie und Lust zu tanzen."