Hamburg

Böser Krach um Sanierung des Volksdorfer Wochenmarktes

Der Volksdorfer Wochenmarkt ist einer der größten und bestsortierten Märkte in Hamburg.

Der Volksdorfer Wochenmarkt ist einer der größten und bestsortierten Märkte in Hamburg.

Foto: Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Die Stadt will zum Ende der Bauarbeiten neue Öffnungszeiten verkünden. Die Marktbeschicker haben ganz andere Probleme.

Hamburg. Der Volksdorfer Wochenmarkt soll nach der Sanierung der Marktfläche neben dem Bahnhof mit geänderten Öffnungszeiten zeitgemäßer und attraktiver werden. Das hat die Bezirksversammlung Wandsbek auf CDU-Initiative einstimmig beschlossen. Immer mittwochs soll der Markt dann im Rahmen eines "Pilotprojekts" nicht mehr mittags um 13 Uhr schließen, sondern "bis in den Abend hinein öffnen" können, um "dem geänderten Kaufverhalten der Verbraucher Rechnung zu tragen".

Außerdem will die Politik, so der Beschluss, gemeinsam mit den Marktbeschickern Ideen zur Zukunft der Wochenmärkte entwickeln. Der Sprecher der Volksdorfer Marktbeschicker, Malte Jahn, reagierte mit Befremden.

Marktbeschicker fordern Marketing für die Märkte

"Die wegbrechenden Einnahmen am Mittwoch hängen nicht an den Öffnungszeiten", sagte Jahn, der vom Beschluss der Bezirksversammlung nur zufällig per Whatsapp erfahren habe. "Das Problem liegt viel tiefer. Wenn Politik und Verwaltung so weitermachen, wird es uns in einigen Jahren nicht mehr geben." Die Stadt als kassierender Veranstalter der Märkte müsse selbst etwas für die Vermarktung der Märkte tun.

"Wir brauchen keinen städtischen Marktmeister, der in schweren Stiefeln mit Gebührenmarken über den kaputten Asphalt steigt, sondern einen Marktmanager, der Werbung macht, Veranstaltungen organisiert und Ideen entwickelt. Die Stadt müsste Fachleute wie eine Agentur damit beauftragen und nicht Politiker loslaufen lassen, die letztlich den Marktbeschickern das Marketing überlassen."

Schwere Vorwürfe in Richtung Stadt

Es sei paradox, dass die Marktbeschicker in Zeiten von "Fridays for Future" und der Verbraucherrevolten gegen Plastiktüten ums Überleben kämpfen müssen. "Im Grunde sind wir genau das, was die Zeit braucht. Bei uns gibt es einfache, gute Sachen ohne Verpackungsmüll. Aber die Stadt quält uns mit Mautzahlungen, Kühlketten und neuen, teuren Vorschriften zu Kassensystemen. Der Rattenschwanz, der am Kräuterverkauf auf dem Markt hängt, wird immer länger." Es sei unklar, wer bei geänderten Öffnungszeiten mitziehen wolle und könne. "Die Kollegen haben ihre Höfe und müssen auch da ihre Arbeit tun."

Laut Jahn sind die Wochenmärkte ein Kulturgut. "Keine deutsche Stadt hat so viele Wochenmärkte wie Hamburg", sagte Jahn. Aber die Verwaltung habe sich jahrelang versteckt hinter den gut laufenden Sonnabendmärkten in Rahlstedt und Volksdorf und das Elend in der Woche nicht gesehen. Jahn beklagte auch eine Ungleichbehandlung von Marktbeschickern und Schaustellern, die ihre Lobbyisten in der Bürgerschaft sitzen hätten und zum Beispiel keine Maut für ihre Lkw zahlen müssten.

Immer weniger Stände auf den Wochenmärkten

Die Zahl der Marktbeschicker ist in Volksdorf mittwochs seit Jahren rückläufig. Auch Jahn selbst kommt mittwochs nicht mehr. Der Schrumpfungsprozess hat auch den Sonnabend bereits erfasst, obwohl noch immer um 120 Stände auf die Kunden warten. Aber zuverlässig richtig voll ist es nur bei gutem Wetter.

Die Stadt setzt auf die Sanierung und sieht Volksdorf, neben dem Wochenmarkt in der Isestraße der umsatzträchtigste der Stadt, als "Cashcow" (O-Ton Finanzsenator Andreas Dressel), die sie auch weiter "melken" möchte. Deshalb ist sie aktiv geworden.

Sanierung startet am 25. November

Nach dem "ersten Spatenstich" mit Prominenz aus der Politik am 25. November wird der Markt für 2,5 Millionen Euro saniert werden, weil die Stromversorgung, die sanitären Anlagen und auch die Oberfläche des Platzes dringend erneuert werden müssen. Ein Jahr lang werden die Marktbeschicker dann zusammenrücken müssen und im Wechsel auf der schon fertigen bzw. noch nicht in Bau befindlichen Seite stehen.

Die Marktbeschicker der ganzen Stadt kämpfen seit Jahren für die zeitgemäße Ausstattung der Marktplätze, für die die Stadt trotz teils gravierender Mängel unverdrossen Gebühren kassiert. Der Sanierungsprozess hat begonnen, ist aber noch lange nicht abgeschlossen.