Volksdorf

Nach Sturm „Zoran“ ist der Wald ein Gefahrengebiet

Revierförster Johannes Nofke (l.) und Lutz Fischer vom Bezirksamt Wandsbek begutachten
im Volksdorfer Wald die Sturmschäden

Revierförster Johannes Nofke (l.) und Lutz Fischer vom Bezirksamt Wandsbek begutachten im Volksdorfer Wald die Sturmschäden

Foto: Michael Rauhe

Senat warnt weiter vor dem Betreten – Lebensgefahr wegen stürzender Bäume und Äste. Die Gefahren seien nicht jedem bewusst.

Hamburg/ Volksdorf Da ist selbst der Experte fassungslos: „Bei Laubholz“, so Eddwin Gorning, Forstwirtschaftsmeister, „habe ich Schäden in diesem Ausmaß noch nie erlebt. Für uns in Volksdorf war Zoran das schlimmste Unwetter seit dem Tornado 2002.“ Bäume sind entwurzelt, Kronenteile durchgebrochen, Baumstämme und Äste versperren die Wege. Revierförster Johannes Nofke ergänzt zustimmend: „Die mechanische Gewalt des extremen Starkregens und der heftigen Böen sind etwas, worauf man nicht vorbereitet sein kann.“

In der Försterei Volksdorf seien nach Schätzungen Nofkes rund 400 m³ Äste und Bäume gefallen, darunter vor allem stabile und gesunde Eichen und Buchen. „Es ist ein ganz großer Verlust, da wir hier mit die ältesten Waldbestände Hamburgs haben. Einige der gefallenen Bäume sind um die 200 Jahre alt“, sagt Nofke bedauernd und schaut sich um - die massiven Schäden des Sturms findet er erschreckend.

„Von den Wäldern geht zurzeit tatsächliche Gefahr aus“, so Lutz Fischer, Abteilungsleiter für Stadtgrün, Naturschutz, Wasser und Forsten des Bezirksamts Wandsbek. Der Sturm habe enorme Schäden an den Bäumen angerichtet, die jetzt zuerst behoben werden müssten, um eine sichere Nutzung der Waldwege wieder zu ermöglichen. Besonders gefährlich seien herabgerissene Kronenteile und Äste, die sich in Nachbarbäume verfangen haben und jederzeit herabfallen können. „Jeden Moment“, so Fischer, „können diese sich anders bewegen und es kann zu lebensgefährlichen Schäden kommen. Zehn bis 15% aller Bäume und Äste kommen erst nach einem Sturm runter.“

Zur großen Unmut des Reviermeisters seien die Gefahren allerdings nicht jedem bewusst und es entstehe eine Art Tourismus, wo jeder selbst sehen wolle, wie es nun im Wald aussieht. „Es ist wichtig die Sensibilität über die Gefahr, die momentan von den Wäldern ausgeht, zu stiegern“, sagt Nofke und appeliert insbesondere an Eltern und hofft, dass sie ihren Kindern den Ernst der Situation verdeutlichen werden. Zu häufig treffe er Kinder an, die inmitten entwurzelter Bäume spielen. Währenddessen versuchen Spezialisten die Wege freizuräumen und die Gefahren zu entschärfen: „Das sind zunächst unsere Prioritäten“, sagt Nofke, der Erfahrung mit akuter Schadenssicherung in seinem Revier hat.

Die Sicherheit wiederherzustellen sei sehr zeitintensiv und für die Forstwirte eine große Herausforderung. Dies treffe insbesondere auf halb entwurzelte Bäume zu, deren Standfestigkeit nicht mehr gegeben sei. „Bäume, die keine Statik mehr haben, müssen Stück für Stück weg. Aufgrund der vielen Spannungen reagieren sie irreal und wir müssen mit besonders großer Vorsicht darangehen“, sagt Fischer. „Spezialisten haben bereits mit der sukzessiven Fällung der Bäume nach unserer Gefahrenabschätzung im Gebiet angefangen.“ Bäume, die am Rand des Waldes stehen und eine Gefährung für umliegende Häuser darstellen, wurden als höchstgefährlich eingestuft. Nofke ergänzt: „Wir werden einzelne Bäume als Mahnmal stehen lassen. Viele Bäume werden aber fallen müssen, leider.“

Dabei ginge es aber keinesfalls um Holzgewinnung - Das Forstrevier Volksdorf sei seit 1996 als nachhaltige Forstwirtschaft zertifiziert und Naturschutz habe dort höchste Priorität. „Wir haben hier fast alle natürlich vorkommenden Baumarten und sämtliche Arten, die zu diesem Habitat dazugehören“, so Nofke, der sein Revier kennt, wie kein anderer. „Es ist ein sehr gern besuchter Wald“, führt der Forstwirtschaftsmeister weiter aus. Die Försterei sei sehr beliebt bei den Anwohnern in Volksdorf, aufgrund der guten Anbindung zur U1 aber auch bei Hamburgern aus weiter weg.

Ihrer Sicherheit zuliebe, müssten sich alle Waldfreunde allerdings noch gedulden. „Zunächst müssen wir das Revier komplett sichten“, so Fischer. Eine Schadensbilanz wird im Laufe der nächsten Tage erstellt. Vorwürfe, dass zu wenig Geld für präventive Grünpflege investiert wurde, lehnt er ab: „Zoran hatte eine höhere Gewalt, gegen die man einfach nicht ankommt.“

Vorerst wird vom Hamburger Senat gebeten die Hamburger und die angrenzenden Wälder bis Montag, den 18. Mai 2015, zu meiden. (hprc)

Infokasten: Die Revierförsterei Volksdorf wurde im Jahr 1723 zum Bannwald erklärt, der der Erholung dienen soll.

Hamburg/ Volksdorf Da ist selbst der Experte fassungslos: „Bei Laubholz“, so Eddwin Gorning, Forstwirtschaftsmeister, „habe ich Schäden in diesem Ausmaß noch nie erlebt. Für uns in Volksdorf war Zoran das schlimmste Unwetter seit dem Tornado 2002.“ Bäume sind entwurzelt, Kronenteile durchgebrochen, Baumstämme und Äste versperren die Wege. Revierförster Johannes Nofke ergänzt zustimmend: „Die mechanische Gewalt des extremen Starkregens und der heftigen Böen sind etwas, worauf man nicht vorbereitet sein kann.“

In der Försterei Volksdorf seien nach Schätzungen Nofkes rund 400 m³ Äste und Bäume gefallen, darunter vor allem stabile und gesunde Eichen und Buchen. „Es ist ein ganz großer Verlust, da wir hier mit die ältesten Waldbestände Hamburgs haben. Einige der gefallenen Bäume sind um die 200 Jahre alt“, sagt Nofke bedauernd und schaut sich um - die massiven Schäden des Sturms findet er erschreckend.

„Von den Wäldern geht zurzeit tatsächliche Gefahr aus“, so Lutz Fischer, Abteilungsleiter für Stadtgrün, Naturschutz, Wasser und Forsten des Bezirksamts Wandsbek. Der Sturm habe enorme Schäden an den Bäumen angerichtet, die jetzt zuerst behoben werden müssten, um eine sichere Nutzung der Waldwege wieder zu ermöglichen. Besonders gefährlich seien herabgerissene Kronenteile und Äste, die sich in Nachbarbäume verfangen haben und jederzeit herabfallen können. „Jeden Moment“, so Fischer, „können diese sich anders bewegen und es kann zu lebensgefährlichen Schäden kommen. Zehn bis 15% aller Bäume und Äste kommen erst nach einem Sturm runter.“

Zur großen Unmut des Reviermeisters seien die Gefahren allerdings nicht jedem bewusst und es entstehe eine Art Tourismus, wo jeder selbst sehen wolle, wie es nun im Wald aussieht. „Es ist wichtig die Sensibilität über die Gefahr, die momentan von den Wäldern ausgeht, zu stiegern“, sagt Nofke und appeliert insbesondere an Eltern und hofft, dass sie ihren Kindern den Ernst der Situation verdeutlichen werden. Zu häufig treffe er Kinder an, die inmitten entwurzelter Bäume spielen. Währenddessen versuchen Spezialisten die Wege freizuräumen und die Gefahren zu entschärfen: „Das sind zunächst unsere Prioritäten“, sagt Nofke, der Erfahrung mit akuter Schadenssicherung in seinem Revier hat.

Die Sicherheit wiederherzustellen sei sehr zeitintensiv und für die Forstwirte eine große Herausforderung. Dies treffe insbesondere auf halb entwurzelte Bäume zu, deren Standfestigkeit nicht mehr gegeben sei. „Bäume, die keine Statik mehr haben, müssen Stück für Stück weg. Aufgrund der vielen Spannungen reagieren sie irreal und wir müssen mit besonders großer Vorsicht darangehen“, sagt Fischer. „Spezialisten haben bereits mit der sukzessiven Fällung der Bäume nach unserer Gefahrenabschätzung im Gebiet angefangen.“ Bäume, die am Rand des Waldes stehen und eine Gefährung für umliegende Häuser darstellen, wurden als höchstgefährlich eingestuft. Nofke ergänzt: „Wir werden einzelne Bäume als Mahnmal stehen lassen. Viele Bäume werden aber fallen müssen, leider.“

Dabei ginge es aber keinesfalls um Holzgewinnung - Das Forstrevier Volksdorf sei seit 1996 als nachhaltige Forstwirtschaft zertifiziert und Naturschutz habe dort höchste Priorität. „Wir haben hier fast alle natürlich vorkommenden Baumarten und sämtliche Arten, die zu diesem Habitat dazugehören“, so Nofke, der sein Revier kennt, wie kein anderer. „Es ist ein sehr gern besuchter Wald“, führt der Forstwirtschaftsmeister weiter aus. Die Försterei sei sehr beliebt bei den Anwohnern in Volksdorf, aufgrund der guten Anbindung zur U1 aber auch bei Hamburgern aus weiter weg.

Ihrer Sicherheit zuliebe, müssten sich alle Waldfreunde allerdings noch gedulden. „Zunächst müssen wir das Revier komplett sichten“, so Fischer. Eine Schadensbilanz wird im Laufe der nächsten Tage erstellt. Vorwürfe, dass zu wenig Geld für präventive Grünpflege investiert wurde, lehnt er ab: „Zoran hatte eine höhere Gewalt, gegen die man einfach nicht ankommt.“

Vorerst wird vom Hamburger Senat gebeten die Hamburger und die angrenzenden Wälder bis Montag, den 18. Mai 2015, zu meiden. (hprc)

Infokasten: Die Revierförsterei Volksdorf wurde im Jahr 1723 zum Bannwald erklärt, der der Erholung dienen soll.

Edwin Gorning ist immer noch fassungslos: „Bei Laubholz“, sagt der Forstwirtschaftsmeister, „habe ich Schäden in diesem Ausmaß noch nie erlebt.“ Gorning geht durch „seinen“ Wald in Volksdorf und betrachtet kopfschüttelnd das Ausmaß der Verwüstung. „Für uns hier in Volksdorf war Sturmtief Zoran das schlimmste Unwetter seit dem Tornado 2002.“ Auch eine Woche, nachdem der Sturm über Norddeutschland gefegt war, sind die Schäden noch längst nicht beseitigt – im Gegenteil: Die Gefahren durch herunterfallende Äste und umsturzgefährdete Bäume sind so groß, dass die Behörden dringend davor warnen, die Waldflächen zu betreten.

Dutzende Bäume sind in Volksdorf entwurzelt, Kronenteile durchgebrochen. Riesige Stämme und große Äste versperren die Wege. Revierförster Johannes Nofke blickt traurig um sich: „Die mechanische Gewalt des extremen Starkregens und der heftigen Böen sind etwas, worauf man nicht vorbereitet sein kann.“

Viele der umgekippten Bäume sind mehr als 200 Jahre alt

In der Försterei Volksdorf sind nach Nofkes Schätzungen rund 400 Kubikmeter Äste und Bäume gefallen, darunter vor allem stabile und gesunde Eichen und Buchen. „Es ist ein ganz großer Verlust, da wir hier mit die ältesten Waldbestände Hamburgs haben. Einige der gefallenen Bäume sind um die 200 Jahre alt“, sagt Nofke bedauernd – die massiven Schäden des Sturms findet er schlicht „erschreckend“.

„Von den Wäldern geht zurzeit tatsächlich eine Gefahr aus“, sagt Lutz Fischer. Er ist der Abteilungsleiter für Stadtgrün, Naturschutz, Wasser und Forsten des Bezirksamts Wandsbek. Der Sturm habe enorme Schäden an den Bäumen angerichtet, die jetzt zuerst behoben werden müssten, um eine sichere Nutzung der Waldwege wieder zu ermöglichen. Besonders gefährlich seien herabgerissene Kronenteile und Äste, die sich in Nachbarbäume verfangen haben und jederzeit herabfallen können. „Jeden Moment“, so Fischer, „kann es zu lebensgefährlichen Situationen kommen. Zehn bis 15 Prozent aller Bäume und Äste fallen erst lange nach einem Sturm runter.“

Doch die Gefahr schreckt viele Hamburger nicht ab, im Gegenteil: Sie lockt sie erst an. „Es entsteht eine Art Tourismus“, sagt Revierförster Nofke. Jeder wolle mit eigenen Augen sehen, was der Sturm im Wald angerichtet hat. „Es ist wichtig, die Sensibilität über die Gefahren zu erhöhen, die momentan von den Wäldern ausgehen“, sagt Nofke und appeliert insbesondere an Eltern, dass sie ihren Kindern den Ernst der Situation verdeutlichen müssen. Zu häufig treffe er Kinder an, die inmitten entwurzelter Bäume spielen. Währenddessen versuchen Spezialisten die Wege freizuräumen und die Gefahren zu entschärfen: „Das sind zunächst unsere Prioritäten“, sagt Nofke, der reichlich Erfahrung mit akuter Schadenssicherung in seinem Revier hat.

Die Sicherheit wiederherzustellen, sei sehr zeitintensiv und für die Forstwirte eine große Herausforderung, erklärt der Experte. Dies treffe insbesondere auf halb entwurzelte Bäume zu, deren Standfestigkeit nicht mehr gegeben sei. „Bäume, die keine Statik mehr haben, müssen Stück für Stück weg. Aufgrund der vielen Spannungen reagieren sie unberechenbar, und wir müssen mit besonders großer Vorsicht darangehen“, sagt Fischer. „Spezialisten haben bereits vergangene Woche mit der sukzessiven Fällung der Bäume nach unserer Gefahrenabschätzung im Gebiet angefangen.“ Bäume, die am Rand des Waldes stehen und eine Gefährdung für umliegende Häuser darstellen, wurden als höchstgefährlich eingestuft. Nofke ergänzt: „Wir werden einzelne Bäume als Mahnmal stehen lassen. Viele werden aber fallen müssen. Leider.“

Bis vorerst zum 18. Mai wird vom Betreten der Wälder dringend abgeraten

Dabei ginge es aber keinesfalls um Holzgewinnung – das Forstrevier Volksdorf sei seit 1996 als nachhaltige Forstwirtschaft zertifiziert, und Naturschutz habe dort höchste Priorität. „Wir haben hier fast alle natürlich vorkommenden Baumarten und sämtliche Arten, die zu diesem Habitat dazugehören“, so Nofke. „Es ist deswegen ein sehr gut besuchter Wald.“ Nicht nur die Volksdorfer nutzen ihn, wegen der U-Bahn-Verbindung kämen auch viele aus weit entfernten Stadtteilen.

Bis sie den Forst wieder betreten dürfen, kann es noch etwas dauern. „Zunächst müssen wir das Revier komplett sichten“, so Fischer. Eine Schadensbilanz für Volksdorf wird in diesen Tagen erstellt, so wie in allen Waldgebieten Hamburgs. Die Warnung vorm Betreten der Wälder gilt zunächst bis zum 18. Mai. Dann wird die Lage erneut beurteilt.