Geplante Bahntrasse

S-4-Planer versuchen Anwohner zu beruhigen

Bezirksamt zeichnet noch nicht beschlossene Bahntrasse durch Rahlstedt in Pläne ein. Planer bedauert dies und versucht Anwohner zu beruhigen.

Rahlstedt. Die Planer der neuen S 4 von Hasselbrook bis Ahrensburg haben versucht, die empörten Betroffenen im Rahlstedter Überschwemmungsgebiet der Wandse zu beruhigen. Entgegen dem entstandenen Eindruck sei keine Vorentscheidung darüber gefallen, wie die Trasse verlaufen solle, sagte Dennis Fiedel, der Sprecher der für die Planung verantwortlichen LVS Schleswig-Holstein GmbH.

Fiedel bedauerte, dass die Planer des Bezirksamts in ihrem Bebauungsplanentwurf "Rahlstedt 127" für das fragliche Überschwemmungsgebiet die Vorentwurfstrasse bereits eingezeichnet und so den Anwohnern das Gefühl vermittelt hätten, dass die Würfel hinter den Kulissen längst gefallen seien.

Zwischen Ahrensburg und Hasselbrook sollen neben den beiden bestehenden zwei zusätzliche Gleise gebaut werden, zwischen Ahrensburg und Bad Oldesloe ist ein zusätzliches geplant. Das soll den Hauptbahnhof von Personennahverkehr entlasten, Kapazitäten für den Güterverkehr nach Skandinavien schaffen und dank vier neuer Bahnhöfe die Nahverkehrsverbindungen in der Stadt verbessern. Nach groben Schätzungen kostet das Projekt 350 Millionen Euro. Wegen des hohen Verkehrsaufkommens genießt das Projekt hohe Priorität und soll 2017 beginnen. Dabei sollen neue Haltestellen an der Claudiusstraße, Bovestraße, am Holstenhofweg und an der Straße Am Pulverhof entstehen. Außerdem sollen mehrere Bahnübergänge erneuert werden bzw. durch Tunnel oder Brücken ersetzt werden.

Die Anwohner der Birrenkovenallee befürchten, dass die neue Trasse das Überschwemmungsgebiet der Wandse so einengen würde, dass deshalb das Hochwasser deutlich steigen und ihre Keller fluten würde. "Eine Vorentwurfstrasse gehört nicht in einen Bebauungsplan", sagte Fiedel. "Warum das Bezirksamt die vorläufige Trasse da eingezeichnet hat, weiß ich nicht." Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses in der Bürgerschaft, Ole Thorben Buschhüter (SPD), schlug in die gleiche Kerbe: "Es wird gerade geklärt, wer das da reingeschrieben hat", sagte er. Es sei "sehr bedauerlich", dass so der Eindruck eines abgekarteten Spiels entstanden sei. "Aber dieser Eindruck ist falsch. Es ist nichts entschieden - gar nichts." Das Bezirksamt wollte nicht von einem Fehler sprechen, ließ aber wissen, dass die Vorentwurfstrasse nur "nachrichtlich" im Bebauungsplanentwurf auftauche.

Die Anwohner der Birrenkovenallee hatten den Planern der LVS in einem Mail-Wechsel vorgeworfen, sie hinters Licht führen zu wollen. Ulrich Weber, 2. Vorsitzender des Vereins Lärmschutz-Rahlstedt und Anwohner der Birrenkovenallee, warf der LVS vor, ihr Versprechen, eine breite Öffentlichkeit zu beteiligen, zu brechen. Fiedel und Buschhüter wiesen das zurück und bedauerten Fehler in der Kommunikation. "Wir hätten etwas später und dann besser vorbereitet an die Öffentlichkeit gehen sollen", sagte Fiedel, "offenbar ist das geplante Vorgehen zur Ermittlung der relativ besten Streckenführung für die neue S-Bahn nicht richtig bei den Betroffenen angekommen. Die im Wandsbeker Verkehrsausschuss vorgestellte und jetzt im Internet einsehbare Trasse ( www.nah.sh/lvs ) entlang der bestehenden zwei Gleise ist eine vorläufige, weil sie allein verkehrliche Belange berücksichtigt", sagte Fiedel. Erst nach insgesamt vier Planungsdurchläufen würde in einem fünften Schritt versucht, die unter Berücksichtigung aller Gesichtspunkte beste Streckenführung zu finden, sagte Fiedel zur Vorgehensweise der Planer. "Und wir haben erst einen Schritt getan."

Im zweiten Planungsdurchgang werde die unter Umweltgesichtspunkten beste Streckenführung ermittelt, in einem dritten Durchgang die unter Lärmschutzgesichtspunkten beste Lösung, im vierten Durchgang die unter Berücksichtigung privater Grundstücksfragen und Interessen günstigste Trassenführung. "Erst dann kommt eine Abwägung, die diese vier Trassenverläufe in einer Entwurfstrasse zusammenführt", sagte Fiedel. Derzeit gehe es darum, die noch fehlenden drei Trassen zu erarbeiten, um dann im Gespräch mit Betroffenen, Behörden und Investoren den besten Kompromiss herauszufinden. Mit diesem Vorschlag soll dann das Planfeststellungsverfahren an den Start gehen. Es solle von 2015 bis 2017 Einwendungen von Anwohnern und Verbänden noch einmal sammeln, diskutieren und einarbeiten, bis etwa 2017 der Planfeststellungsbeschluss Baurecht schaffen könnte. Wenn alles glattgeht, könnte dann von 2017 bis 2020 gebaut werden.

Die Anwohner im Wandse-Überschwemmungsgebiet haben sich laut Weber "darauf verständigt, nicht zu warten, sondern aktiv vorzugehen". Buschhüter sagte, er werde sich dafür einsetzen, die Trasse wieder aus dem Bebauungsplan streichen zu lassen.