Patenprojekt

Kinder mit türkischen Wurzeln und Deutsche bilden ein Team

Eckhard und Arda (vorn) bilden ein Tandem bei Yoldas

Eckhard und Arda (vorn) bilden ein Tandem bei Yoldas

Foto: Michael Taterka

Das Projekt Yoldas der BürgerStiftung feiert Jubiläum, es bringt unterschiedliche Kulturen zusammen

Eckard und Arda sind begeisterte Sportler. Sie fahren gemeinsam Fahrrad, gehen zum Paddeln oder auf Abenteuerspielplätze. Mit Eckards Hilfe hat der Zehnjährige in einem Kurs auch schwimmen gelernt. Seit fünf Jahren sind sie ein sogenanntes Tandem des Projekts Yoldas der BürgerStiftung Hamburg. Yoldas (sprich: „Joldasch“) ist ein türkisches Wort. Es bedeutet „Weggefährte“ – und genau das sollen die erwachsenen Mentoren auch für ihre Schützlinge, die Mentees, sein. „Yoldas bringt Jungen und Mädchen mit türkischen Wurzeln ab sechs Jahren mit deutschen Erwachsenen in Kontakt. Sie unternehmen etwas zusammen und lernen dadurch die beiden unterschiedlichen Kulturen kennen“, sagt Projektleiterin Ann-Katrin Kraus (33). Auch ihre Heimatstadt Hamburg wird den Kindern nähergebracht – mit einem Ausflug an die Elbe, auf den Michel oder in ein Museum. Am 18. September feierte die Bürger­Stiftung das zehnte Jubiläum ihres Projekts und ehrte die Yoldas-Mentoren im Zirkus Abraxkadabrax.

Inzwischen gibt es etwa 250 dieser Ehrenamtlichen – querbeet durch alle Berufe finden sich unter ihnen Mechatroniker, Schneider, Professoren, ehemalige Lehrer, Grafiker oder Studenten. Einige begleiten ihre Mentees bereits viele Jahre. Bei Yoldas ist das möglich, bis die Kinder volljährig werden. Talha ist seit 2011 der Mentee von Elke. Sie war unsicher, ob der Junge auch in der Pubertät noch Interesse an den regelmäßigen Treffen haben würde, aber der basketballbegeisterte 15-Jährige lädt sie sogar zu all seinen Spielen ein und sagt: „Du bleibst immer meine Mentorin.“ Mervan (18) war gerade für ein Jahr in Kalifornien. Sein Mentor Jörg hatte ihn dazu ermutigt und ihm bei der Verwirklichung des Schüleraustauschs geholfen.

Die Idee für das Projekt entstand 2008, weil die BürgerStiftung feststellte, dass sie türkischstämmige Hamburger mit ihren Angeboten kaum erreichte. Zunächst wurden Kontakte über die Türkische Gemeinde geknüpft, dann über Schulen. Neben Altona, St. Pauli, Barmbek und Dulsberg kommen jetzt neu die Veddel und Wilhelmsburg hinzu. „Da wünschen wir uns natürlich Bewerbungen von Mentoren aus den Stadtteilen, damit sich die Tandems leichter treffen können“, sagt Evgi Sadegie, die Yoldas gemeinsam mit Ann-Katrin Kraus leitet. Interessierte sollten, so Kraus, „mit beiden Beinen im Leben stehen und mindestens ein Jahr lang alle ein bis zwei Wochen Zeit für Unternehmungen haben“. Dabei schenken die Mentoren den Yoldas-Kindern ihre ganze Aufmerksamkeit, um sie zu fördern. Diese werden dadurch selbstbewusster und entwickeln oft Interesse in Bereichen, die sie von zu Hause nicht kennen. Viele werden auch in der Schule besser. Die Mentoren wiederum erhalten Einblicke in das Leben mit türkischem Hintergrund.

Anleitung und Unterstützung bekommen die Tandems vom Yoldas- Team, es gibt Workshops, beispielsweise zum Thema „Nähe und Distanz“, aber auch Veranstaltungen, bei denen sich die Zweiergespanne untereinander austauschen und befreunden können – wie zum Beispiel während eines Ausflugs in einen Barfußpark.

Evgi Sadegie, die Soziologie und Turkologie studiert hat und selbst aus einer türkischen Familie kommt, freut sich, dass das Projekt Yoldas so gut angenommen und immer größer wird. „Es ist schön, wenn Menschen aus verschiedenen Kulturen einfach Freizeit mit­einander teilen und sich gegenseitig dadurch bereichern“, sagt sie, „für mich ist das Projekt Yoldas eine Tätigkeit fürs Herz.“

Die BürgerStiftung Hamburg sucht für das Projekt Mentoren. Kontakt über Evgi Sadegie und Ann-Katrin Kraus (Projektkoordination), E-Mail: yoldas@buergerstiftung-hamburg.de, Tel. 878 89 69 60/80, weiter Infos unter:www.buergerstiftung-hamburg.de/yoldas