Studium ohne Abitur - Hamburg verliert Spitzenposition

Noch vor zehn Jahren war die Hansestadt Vorbild in Deutschland

Hamburg. Beim Studium ohne Abitur oder Fachhochschulreife hat Hamburg seinen Spitzenplatz verloren. Der Anteil der Erstsemester liegt nun unter dem Bundesdurchschnitt. Damit verläuft die Entwicklung entgegen dem deutschlandweiten Trend: Knapp 10 000 der 450 000 Studienanfänger hatten 2010 keine klassische Hochschulzugangsberechtigung. Die Quote verdoppelte sich gegenüber 2007 nahezu. Das berichtete das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in einer gestern veröffentlichten Studie. Die Bundesrepublik insgesamt kam auf einen Wert von 2,1 Prozent.

In Hamburg lag die Studienanfängerquote 2002 noch bei 5,6 Prozent, 2010 waren es nur knapp 1,9 Prozent. Damit kommt der Stadtstaat nach Angaben des CHE aber immer noch auf Platz vier in Deutschland.

Einst war die Hansestadt Vorreiter beim Studium ohne Abitur. Die Universität für Wirtschaft und Politik (HWP) habe Modellcharakter gehabt und Menschen aus der ganzen Bundesrepublik angezogen, berichtete CHE-Projektleiterin Sigrun Nickel. Dort erhielten Männer und Frauen ohne Abitur ihren Studienplatz nach bestandener Aufnahmeprüfung. Doch die HWP wurde 2005 als eigenständige Hochschule aufgelöst und in die Universität Hamburg integriert. "Seither ist die Bedeutung verloren gegangen, auch wenn es in dem Fachbereich noch immer einen Zugang ohne Abitur gibt", sagte Nickel.

Zugleich sei die Zahl der Angebote auf diesem Gebiet bundesweit gestiegen. "Man braucht nicht mehr unbedingt nach Hamburg zu kommen", erklärte Nickel. Die meisten Studienanfänger ohne Hochschulreife in der Hansestadt zieht mittlerweile die private Europäische Fernhochschule Hamburg an. "Der Senat hat sich in seinem Regierungsprogramm das Ziel gesetzt, die Durchlässigkeit der unterschiedlichen Bereiche von beruflicher und hochschulischer Bildung künftig wieder stärker zu fördern", sagte der Sprecher der Hamburger Wissenschaftsbehörde, Alexander von Vogel.

Wirtschaft und Gewerkschaften machen sich seit Jahren stark, Unis auch Meistern und beruflich Qualifizierten ohne Abitur zu öffnen. Ihnen erleichterte die Kultusministerkonferenz 2009 den Hochschulzugang. Spitzenreiter ist Nordrhein-Westfalen, das mit 4,2 Prozent den höchsten Anteil von Nicht-Abiturienten unter seinen Studienanfängern hat.