Massive Vorwürfe gegen die Schulbehörde

"Eltern fühlen sich missbraucht"

Weil Kritik in den Abschlussempfehlungen nicht möglich ist, erstellen Reformgegner eigene Dokumentation.

Kurz vor Abschluss der Regionalen Schulentwicklungskonferenzen (RSK) Ende dieser Woche kommt von den Elternvertretern aus zahlreichen Regionen massive Kritik. "Bei vielen Delegierten bleibt nach monatelangem ernsthaften Engagement Enttäuschung und Frustration, weil entgegen allen Zusagen eine offene, kritische und kontroverse Diskussion nicht zugelassen wurde", sagt Heike Heinemann. Die Vertreterin der RSK 7 (Othmarschen) und Mutter von drei Kindern hat einen Aufruf gestartet und sammelt derzeit Statements aus der ganzen Stadt. Denn: "Selbst in den von der Schulbehörde vorgegebenen Auswertungsrastern, die jede RSK ausfüllen muss, gibt es quasi keine Möglichkeit, Kritik zu äußern." Bislang haben sich Eltern aus zehn RSK gemeldet.

Schon in den vergangenen Wochen waren Elterndelegierte aus dem von der Schulbehörde initiierten Beteiligungsprozess ausgestiegen, unter anderem von der Erich-Kästner-Gesamtschule, dem Gymnasium Hochrad und dem Gymnasium Othmarschen. Letztere begründeten ihre Entscheidung so: "Unsere Befürchtung ist, dass eine weitere aktive Mitarbeit bei der 5. Regionalen Schulentwicklungskonferenz als Unterstützung des gesamten Primarschulkonzepts in der vorliegenden Form interpretiert werden könnte."

Aber auch unter den Elternvertretern, die bis zum Ende mitmachen, brodelt es - wie die anonymisierten Statements, die dem Abendblatt vorliegen, deutlich machen. Dabei kracht es vor allem in Bergedorf, Othmarschen und den Walddörfern, aber auch aus Wandsbek, Eimsbüttel, Eppendorf oder Bramfeld kommen harsche Beschwerden. Einer der Hauptkritikpunkte ist die Konzeption der insgesamt fünf Sitzungen, bei denen es nur um Raumverteilung und Standortplanung gegangen sei, "eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex wurde unterbunden", fasst Reformkritikerin Heinemann die Äußerungen zusammen. Ein Delegierter schreibt: "Nach dieser unsinnigen Planspielerei auf der Grundlage von nicht aktualisierten Raumdaten und der immer noch fehlenden Inhalte setzt bei mir Frust und Antriebslosigkeit ein. Es ist wirklich faszinierend, wie unproduktiv man in vier Stunden Konferenz sein kann."

Aber auch die von den 22 RSK erarbeiteten Empfehlungen, die bis Ende dieser Woche auf der Seite der Schulbehörde einsehbar sein sollen, beurteilen viele Elternvertreter kritisch oder lehnen sie komplett ab - wie der Elternrat des Gymnasiums Lohbrügge. Begründung: "Gymnasien finden wenig Gehör und werden als dauernde Störenfriede angesehen."

Hinzu kommen Bedenken, was aus den Voten der einzelnen Regionen wird. "Jede Schule kocht sein Süppchen für sich allein", schreibt eine RSK-Delegierte unzufrieden. Ein anderer bezeichnet die Standortempfehlungen als "Wunschkonzert", das aufgrund der vielen notwendigen Baumaßnahmen nicht umsetzbar sei. Besonders gravierende Vorwürfe erheben die Eltern der RSK 15 (Wandsbek): Nur behördenkonforme Standortvorschläge seien berücksichtigt worden. "Da glaubte zum Schluss niemand mehr daran, dass es den Masterplan (der Behörde , die Red.) wirklich nicht gibt."

Die Schulreformkritiker sehen sich durch die Elternstatements bestätigt: "Die Schulentwicklungskonferenzen sind eine scheindemokratische Veranstaltung. Viele Eltern fühlen sich missbraucht", sagt Heike Heinemann.