Richtfest für Zukunftsschule im Krematorium

Noch ist es eine Riesenbaustelle. Doch nach den Sommerferien wird Mika (7) hier zur Schule gehen. Denn dann zieht die Zukunftsschule Flachsland in...

Noch ist es eine Riesenbaustelle. Doch nach den Sommerferien wird Mika (7) hier zur Schule gehen. Denn dann zieht die Zukunftsschule Flachsland in den denkmalgeschützten Alsterpalais an der Alsterdorfer Straße, der gerade saniert und erweitert wird. Das Besondere an dieser Bildungseinrichtung ist nicht nur der Ort - ein ehemaliges Krematorium, sondern auch das Konzept: Kinder ab zwölf Monaten beginnen in der bilingualen Kita und wechseln dann später in den ganztägigen, ebenfalls zweisprachigen Schulbetrieb.

Gestern feierte die Zukunftsschule Richtfest, und auch Mika kam, um einen Blick auf ihre neue Lernstätte zu werfen. "Wenn es fertig ist, wird es hier bestimmt sehr schön", sagte die Erstklässlerin. Den Regen, der während der Feierlichkeiten fiel, nahm Bauherr Jörg Brettschneider als "Gutes Omen, weil er ein Zeichen von Fruchtbarkeit ist". Gemeinsam mit seiner Frau Ursula Smischliaew wird er die Zukunftsschule leiten. Ihr Verein Kinderwelten betreibt in Hamburg bereits 15 überwiegend bilinguale Kindertagesstätten mit rund 1000 Betreuungsplätzen. Das dort zugrunde liegende Bildungskonzept: Kinder sollen von Beginn an mit Respekt behandelt und ihren Fähigkeiten entsprechend gefördert werden. Dazu gehören altersübergreifende Lerngruppen, Erkenntnisse aus der Hirnforschung und Erfahrungsräume wie Werkstatt und Atelier. Diese Philosophie soll nun auch auf die Schule übertragen werden. "Bildung mit Kopf, Herz und Hand" ist auf dem Banner zu lesen, das über dem zukünftigen Eingangsportal prangt.

Initiator des Schulprojekts ist Kulturinvestor und Immobilienmogul Klausmartin Kretschmer. Er hatte das Alsterpalais vor zwei Jahren für eine siebenstellige Summe von der Vereinigten Hamburger Wohnungsbaugenossenschaft erworben. "Ich habe davon geträumt, dass es ein Platz für Kinder wird", erinnert sich der Vermieter vonOberhafen-Kantine und Roter Flora. Durch einen "glücklichen" Zufall hätten sich dann seine Wege mit denen von Jörg Brettschneider gekreuzt. "Der Tag heute zeigt, dass man nicht nur träumen, sondern auch etwas tun kann", sagt Kretschmer. "Ich freue mich auch, dass bei diesem Projekt eine gelungene Verbindung zwischen einem Denkmal und progressiven Neubauten geschaffen wird."

Um Platz für die 120 Flachsland-Schüler und 60 zusätzliche Kita-Kinder zu schaffen, hat der Hamburger Architekt Ulrich Wehde hinter dem historischen Alsterpalais zwei wie Viertelkreise geformte Neubauten geschaffen. Hier sollen auf zwei Etagen die Fach- und Unterrichtsräume für die Schüler untergebracht werden. Die Lücken zwischen dem Kerngebäude und den Neubauten betragen jeweils etwa fünf Meter, die mit Glas überdacht werden. "So bleibt der Blick auf die hintere Fassade erhalten", sagt Wehde, "sogar von der Alster aus." Vorne, zur Alsterdorfer Straße hin, werden historische Merkmale wie Balustrade und Seitentreppen wieder aufgebaut. Dahinter entsteht die einstöckige Kita. Durch die Baumaßnahmen wird die ursprüngliche Grundfläche von 600 Quadratmetern verdreifacht.

Die Gesamtkosten betragen mehr als sechs Millionen Euro. Da die Bildungsbehörde erst rückwirkend einen Teil der Kosten erstattet, müssen die ersten Jahre aus eigener Kraft und mithilfe von Banken und Sponsoren finanziert werden. 150 000 Euro seien bislang durch Kleinbürgschaften und Spenden zusammengekommen, sagte Jörg Brettschneider gestern. Weitere Infos unter www.flachsland-hamburg.de