Hamburg-Eimsbüttel

Aus für Sternerestaurant: Jellyfish weicht der Gewalt

Ein Bild vom ersten Angriff Ende März: Die Scheiben des Restaurants Jellyfish sind völlig zerstört. Die Splitter sind bis auf die Tische geflogen.

Ein Bild vom ersten Angriff Ende März: Die Scheiben des Restaurants Jellyfish sind völlig zerstört. Die Splitter sind bis auf die Tische geflogen.

Foto: Michael Arning

Chef Hauke Neubecker gibt nach vier Vandalismusattacken in den letzten Wochen auf. Von der Polizei ist er schwer enttäuscht.

Hamburg.  Nach einer Serie von Einbrüchen und Angriffen von Vandalen weichen die Eigentümer des bekannten Hamburger Sternelokals Jellyfish der Gewalt. „Das Restaurant war meine Leidenschaft“, sagte Mitinhaber Hauke Neubecker dem Abendblatt am Mittwoch. „Doch nach den Erlebnissen der vergangenen Wochen ist diese Leidenschaft erloschen. Jetzt bleibt uns nur noch, zu schließen.“

Am 17. Mai werde das Haus an der Weidenallee zum letzten Mal geöffnet sein, heißt es in einem Newsletter, den Neubecker zusammen mit seinem Geschäftspartner Jens Paulsen an Gäste und Freunde des edlen Lokals verschickte. Zehn Mitarbeiter, darunter der Sternekoch Stefan Barnhusen, verlieren ihren Arbeitsplatz. „Die Kündigungen sind schon ausgesprochen“, so Neubecker.

Vier Attacken in wenigen Wochen

Insgesamt viermal ist das Jellyfish in den vergangenen Wochen Opfer von Vandalismusattacken geworden. Erstmals wurden Ende März die Scheiben des edlen Fischlokals eingeworfen und die Inneneinrichtung verwüstet. Mitte April gab es dann gleich drei Anschläge innerhalb nur einer Woche. Einmal versuchten die unbekannten Täter erfolglos, die Eingangstür aufzuhebeln, ein anderes Mal zerschlugen sie eine Scheibe im Hinterhof, entwendeten Rechner und Bargeld. Immer wieder mussten die Gastronomen die Schäden reparieren lassen und konnten ihre Gäste zeitweise nicht mehr bewirten.

„Die Rentabilität des Jellyfish ist nach all diesen Attacken einfach nicht mehr gegeben“, sagt Neubecker. „Was uns besonders stark getroffen hat, ist die Tatsache, dass teure und teilweise schon vorbereitete Speisen aus den Kühltruhen gerissen wurden. Dadurch ist ein immenser Schaden entstanden.“ Besonders tragisch: Aufgrund von Einbrüchen in den vergangenen Jahren ist das Jellyfish laut Neubecker nicht mehr „versicherbar“. Die Eigentümer blieben daher auf den Schäden sitzen.

Vorwürfe gegen die Polizei

Wer hinter den zahlreichen Attacken gegen das Jellyfish steckt, ist bislang weiter unklar. Es gebe bislang keine neuen Erkenntnisse über die möglichen Täter, sagte ein Polizeisprecher. Die Ermittlungen würden vom LKA geführt, alle Beamten in der Gegend um das Restaurant seien in besonderer Weise sensibilisiert.

Gastronom Neubecker fühlt hingegen sich von der Polizei im Stich gelassen. Aus seiner Sicht seien die Ermittlungen eher „verwaltet“ als vorangetrieben worden, sagt er.

Eine Wiedereröffnung des Jellyfish an einem anderen Standort kommt für den Gastronomen im Augenblick nicht infrage. „Den Standort am Rande des Schanzenviertels habe ich immer als ideal empfunden“, sagt er. Er sei aber offen für Interessenten, die die gut etablierte Marke Jellyfish übernehmen wollten.

Erneut mit Michelin-Stern ausgezeichnet

Das vor fast neun Jahren gegründete Jellyfish gehört zu den 13 absoluten Toprestaurants in Hamburg. Erst kürzlich hatte der "Guide Michelin" seinen Stern für das Feinschmeckerlokal in der aktuellen Ausgabe für das Jahr 2019 bestätigt. Küchenchef Stefan Barnhusen wurde darüber hinaus für seine ungewöhnlichen Fischkreationen von der Zeitschrift „Feinschmecker“ im März zum Koch des Monats gewählt.