Erpressungsvorwurf

Wird Thomas Drach von Gefängnismitarbeiterin belastet?

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Der Prozess gegen den Reemtsma-Entführer wird am Montag fortgesetzt. Als Zeugin geladen ist auch eine Mitarbeiterin aus dem Gefängnis Billwerder.

Hamburg. Der neue Prozess gegen den Reemtsma-Entführer Thomas Drach wird heute fortgesetzt. Der 51-Jährige soll laut Anklage aus dem Gefängnis heraus versucht haben, seinen Bruder um Millionen zu erpressen. Die Staatsanwaltschaft vermutet Drachs Kampf um das Rekord-Lösegeld als Motiv. Vor dem Hamburger Landgericht sollen am Montag ein Polizeibeamter und eine Mitarbeiterin des Gefängnisses in Hamburg-Billwerder als Zeugen gehört werden. Dort sitzt Drach in Haft.

Die Anklage wirft dem 51-jährigen Schwerkriminellen dieses Mal vor, aus dem Gefängnis heraus einen Freund zur räuberischen Erpressung seines eigenen Bruders angestiftet zu haben. Zum Prozessauftakt am vergangenen Donnerstag hatte Drach den Tatvorwurf bestritten.

Der Verhandlungsauftakt hatte sich um Stunden verzögert, weil sich Drach geweigert hatte, beim Transport vom Gefängnis zum Gericht eine Augenbinde zu tragen. Die Schlafbrille sollte er aus Sicherheitsgründen aufsetzen. Schließlich wurde der Häftling zwangsvorgeführt. Vor Gericht bestritt Drach die Vorwürfe und sprach von "albernem Theater“.

+++ Drach vor Gericht: "Fehlt ein Euro, mache ich ihn platt" +++

+++ Millionen aus Reemtsmas Lösegeld liegen in Spanien +++

+++ Chronologie der Reemtsma-Entführung +++

Der Schwerverbrecher gilt nach wie vor als hochgefährlich, es gibt daher massive Sicherheitsvorkehrungen im Gericht. Am Donnertsg erreichten Zuschauer den Saal nur über einen Nebeneingang, einige mussten bei der Kontrolle sogar ihre Schuhe ausziehen.

Vor 15 Jahren hatte Drach mit Komplizen den Hamburger Millionenerben Jan Philipp Reemtsma entführt. Nach 33 Tagen Geiselhaft kam Reemtsma gegen ein Millionen-Lösegeld frei. Ein Großteil der Beute ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Drach war als Kopf der Reemtsma-Entführung im März 2001 wegen erpresserischen Menschenraubes zu 14 Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. (dpa/dapd)

Chronologie der Reemtsma-Entführung:

Juni 1995: Thomas Drach und sein Komplize Wolfgang Koszics beginnen, Jan Philipp Reemtsma zu observieren. Koszics mietet in Garlstedt bei Bremen ein Haus, das später als Geiselversteck dient.

25. März 1996: Reemtsma wird von seinem Grundstück in Hamburg-Blankenese entführt. Die Kidnapper hinterlassen eine Lösegeldforderung über 20 Millionen D-Mark.

27. März 1996: Die Erpresser melden sich mit einem Brief, dem ein Foto Reemtsmas beiliegt. Nachdem die ersten Lösegeldübergaben scheitern, erhöhen die Entführer ihre Forderung auf 30 Millionen in D-Mark und Schweizer Franken.

24. April 1996: In Krefeld gelingt der dritte Versuch zur Geldübergabe. Die Entführer entkommen mit den Millionen.

26. April 1996: Reemtsma wird nach 33 Tagen Geiselhaft in der Nähe von Hamburg freigelassen.

24. Mai 1996: In einem Haus in der Nähe von Bremen wird das Kellerverlies entdeckt, in dem Reemtsma festgehalten wurde. Als Tatverdächtige werden Peter Richter aus Leverkusen, Wolfgang Koszics aus Krefeld und Thomas Drach aus Köln gesucht.

26. Mai 1996: Koszics wird in Südspanien verhaftet.

29. Mai 1996: Richter wird in Malaga festgenommen.

14. Februar 1997: Koszics und Richter werden in Hamburg zu zehneinhalb beziehungsweise fünf Jahren Haft verurteilt.

28. März 1998: Drach wird in einem Hotel in Buenos Aires festgenommen.

12. Juni 1998: Ein Gericht in Buenos Aires ordnet zunächst an, dass sich Drach in Argentinien wegen Urkundenfälschung bzw. Passfälschung verantworten muss.

16. März 1999: Der letzte noch flüchtige mutmaßliche Täter, Piotr Laskowski, stellt sich der Polizei. Er wird am 2. September zu sechs Jahren Haft verurteilt.

24. September 1999: Richter wird auf Bewährung entlassen.

19. Juli 2000: Argentiniens Staatspräsident Fernando de la Rua stimmt der Auslieferung Drachs nach Deutschland zu.

29. Juli 2000: Drach trifft in Hamburg ein und wird kurz darauf in die Untersuchungshaftanstalt am Holstenglacis überstellt.

30. August 2000: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage vor der Großen Strafkammer des Hamburger Landgerichts. Die Anklage gegen Drach lautet etwa auf erpresserischen Menschenraub. Die mögliche Höchststrafe dafür beträgt 15 Jahre Haft.

13. Dezember 2000: Vor dem Hamburger Landgericht beginnt der Prozess gegen Drach als Kopf der Entführerbande. Drach gesteht seine Beteiligung an Reemtsmas Verschleppung.

8. März 2001: Nach 14 Hauptverhandlungstagen wird Drach zu 14 Jahren und 6 Monaten Haft verurteilt. Fast das gesamte Lösegeld bleibt bis heute verschwunden.

Dezember 2002: Der mit internationalem Haftbefehl gesuchte Lutz Drach, Bruder von Thomas Drach, wird von spanischen Sicherheitskräften in Madrid verhaftet. Er soll seinem Bruder beim Verstecken der Beute und der Geldwäsche behilflich gewesen sein.

15. September 2003: Lutz Drach wird nach Deutschland ausgeliefert und kommt in Aachen in Untersuchungshaft.

14. April 2004: Thomas Drach wird wegen Widerstands gegen einen Vollstreckungsbeamten zu einer zusätzlichen Freiheitsstrafe von drei Monaten verurteilt, womit sich seine Haftstrafe verlängert.

28. Oktober 2004: Lutz Drach wird vor dem Landgericht Aachen wegen Geldwäsche zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt.

23. Februar 2006: Thomas Drach muss sich wegen Widerstands gegen Justizbeamte und versuchter Nötigung erneut vor dem Hamburger Landgericht verantworten und wird noch am selben Tag zu einer zusätzlichen Haftstrafe von drei Monaten und zwei Wochen verurteilt.

25. April 2006: Lutz Drach wird im neu aufgerollten Geldwäsche-Prozess vor dem Aachener Landgericht zu einer höheren Freiheitsstrafe von nun sechseinhalb Jahren verurteilt.

Mai 2009: Lutz Drach wird aus dem Gefängnis entlassen.

13. Oktober 2011: Thomas Drach muss sich wegen versuchter Anstiftung zur räuberischen Erpressung erneut vor dem Hamburger Landgericht verantworten.