Bergedorf

Feuer im Wohnhaus für behinderte Menschen

Foto: rtn / rtn/radio tele nord

Das Gebäude in Bergedorf musste evakuiert werden, zehn Verletzte kamen in die Klinik. Polizei geht von fahrlässiger Brandstiftung aus.

Hamburg. Den Rauchmelder, der gegen Mitternacht zu piepen beginnt, nimmt Heidemarie Weber erst nach einigen Minuten wahr. Aber die panischen Schreie, die kurz darauf durch das Treppenhaus des behindertengerechten Wohnhauses dröhnen, lassen die 68-Jährige sofort hochschrecken. Sie rennt in die Küche, sieht, wie die Flammen vor dem Fenster im dritten Stock lodern und handelt innerhalb von Sekunden. Wichtige Papiere steckt sie in die Handtasche, Kater Pluto klemmt sie unter den Arm. Am ganzen Körper zitternd eilt sie nach unten, um Hilfe zu holen. Denn ihr schwer lungenkranker Mann kann die Wohnung nicht aus eigener Kraft verlassen. Zwei Feuerwehrmänner retten Klaus Weber. "Durch den Qualm im ganzen Haus habe ich keine Luft mehr bekommen. Ich hatte furchtbare Angst, dass ich sterben muss", sagt der 71-Jährige am nächsten Morgen. Dass er überlebt habe, sei für ihn wie ein zweiter Geburtstag.

In der Nacht zum Dienstag war ein drei Mal drei Meter großer Holzverschlag in Brand geraten, in dem der Müll der 27 Mieter gelagert wird und der direkt an den viergeschossigen Neubau angrenzt. Die Flammen schlugen über auf den direkt darüber liegenden Balkon im ersten Stock. Als die Feuerwehr mit 80 Einsatzkräften in der Holtenklinker Straße in Bergedorf eintraf, waren bereits die Fensterscheiben der Wohnung geborsten, das Feuer drohte auf das Haus überzugreifen. Das gesamte Gebäude, in dem viele Rollstuhlfahrer und gehbehinderte Menschen leben, war verraucht und musste evakuiert werden. Durch das Treppenhaus brachten die Feuerwehrleute 26 Bewohner in Sicherheit. Acht Erwachsene und zwei Kinder kamen mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus. Eine Wohnung war durch die starke Verrußung unbewohnbar. Alle anderen Bewohner, die erst im Juli in den Neubau eingezogen sind, konnten nach etwa zwei Stunden in ihre Wohnungen zurückkehren.

Wie der Müll in dem Holzverschlag in Brand geraten konnte, ist unklar. "Nach den bisherigen Erkenntnissen handelt es sich vermutlich um fahrlässige Brandstiftung", sagt Polizeisprecher Jens Ratfeld gestern. Hinweise auf Brandbeschleuniger gebe es nicht.

Auch wenn das Feuer aller Wahrscheinlichkeit nicht mit Vorsatz gelegt worden ist, sollen die Mülltonnen, die bislang in dem Holzverschlag standen, nun einen andern Standort bekommen. Das fordern zumindest die Bewohner des Mehrfamilienhauses. "Wir verstehen nicht, dass der Holzverschlag überhaupt direkt unter den Balkonen gebaut wurde. Obendrein konnte man ihn nicht abschließen", sagt Heidemarie Weber. Das sieht David Ott ähnlich, der mit seinen Eltern und seiner Schwester im zweiten Stock lebt. Der 22-Jährige war einer der ersten Bewohner, die die Flammen bemerkten. "Im Treppenhaus war sofort überall Rauch", erinnert er sich. Statt sich selbst in Sicherheit zu bringen, lief er von Tür zu Tür, um die Nachbarn vor dem Feuer zu warnen. "Ich bin sehr froh, dass niemandem ernsthaft etwas zugestoßen ist."