Zerstörung von Gen-Versuchsfeldern

Grüne und Bund weisen Verantwortung von sich

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Nachdem am Wochenende zwei Versuchsfelder für Gen-Pflanzen zerstört wurden, sucht die Rostocker Polizei nach den bisher Unbekannten Tätern.

Rostock. Die Rostocker Polizei sucht weiter nach den Unbekannten, die am Wochenende zwei Versuchsfelder für Gen-Pflanzen in Groß Lüsewitz bei Rostock zerstört haben. Die Suche war bisher nicht erfolgreich, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Etwa sechs Täter waren auf das eingezäunte Gelände des Agrobiotechnikums eingedrungen. Sie hielten einen Wachmann fest, zertrampelten Felder mit gentechnisch verändertem Weizen und Kartoffeln und rissen Pflanzen heraus, schilderten die Beamten. Auch die Reifen des Autos eines Wachmanns waren zerstochen worden. Der Schaden beläuft sich nach Angaben der betroffenen Firma auf mehrere hunderttausend Euro.

Die Angreifer sind gezielt vorgegangen. Wie der Einsatzleiter des Rostocker Sicherheitsdienstes ABS, Michael Stiewe, am Montag mitteilte, brachen sechs Eindringlinge auf dem Gelände ein. Drei von ihnen überwältigten den 55-jährigen Wachmann, sperrten ihn in das Wachhäuschen und zerstörten Versuchsfelder für genveränderten Weizen und Kartoffeln. „Eine Aufrüstung zum Hochsicherheitstrakt kommt für uns nicht infrage“, sagte Biovativ-Geschäftsführerin Kerstin Schmidt am Montag dazu. Aufgeben sei ebenfalls keine Option, da das Projekt mit einem Jahresumsatz von etwa einer Million Euro seit 2004 sehr gutlaufe.

Die Grünen und die Umweltorganisation BUND haben sich am Montag bei einer Mahnwache gegen Agrogentechnik von der Zerstörung von Versuchsfeldern distanziert. Die Sprecherin der Grünen-Landesarbeitsgemeinschaft Landwirtschaft und Naturschutz, Claudia Schulz, sagte, sie könne die Handlungen zwar nachvollziehen, weil es in Deutschland keine Möglichkeiten gebe, Gentechnikversuche zu verhindern. „Aber Zerstörungen sind nie hilfreich, sondern immer kontraproduktiv“. Beim BUND hieß es: „Wir haben mit der Zerstörung nichts zu tun.“

BUND und Grüne hatten die Mahnwache in Groß Lüsewitz seit langem geplant. Sie wollten mit der Aktion darauf aufmerksam machen, dass ungleich mehr Landes- und Bundesmittel in die Gentechnik-Forschung als in die Forschung zum Ökolandbau gesteckt würden. Dabei lehnten etwa 80 Prozent der Bundesbürger genveränderte Lebensmittel ab, während die Nachfrage nach Bio-Produkten steige. Laut Schulz plant die Bundesregierung in den nächsten sechs Jahren 2,4 Milliarden Euro für die Bioökonomie-Forschungsstrategie auszugeben, darunter die Gentechnik-Forschung. Die Ökolandbau-Forschung werde dagegen jährlich nur noch mit 8 Millionen Euro unterstützt.

Das Land Mecklenburg-Vorpommern fördere die Gentechnik durch das Agrobiotechnikum in Groß Lüsewitz und die Versuche auf landeseigenen Flächen. Nach Aussagen von Claudia Schulz laufen in diesem Jahr in Groß Lüsewitz vier von bundesweit 14 gentechnischen Anbauversuchen, und zwar mit Sommerweizen auf neun Quadratmetern, unterschiedlichen Kartoffelsorten auf sieben und 95 Quadratmetern sowie mit Zuckerrüben auf 5000 Quadratmetern.