Familiendrama

Vater gesteht Tötung schwangerer Tochter

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Weil sie von ihm schwanger war, soll ein heute 69-jähriger Mann seine älteste Tochter umgebracht und die Leiche vergraben haben.

Kiel. 15 Jahre nach dem Verbrechen gestand der Angeklagte am Mittwoch erstmals, seine damals 29-jährige Tochter getötet zu haben - unter dem Druck der Strafanzeige seiner jüngeren Tochter und der Mordanklage.

Es habe Streit gegeben und seine Tochter habe ihn so beleidigt, dass er mit einer Rohrzange zugeschlagen habe, sagte der Angeklagte türkischer Herkunft vor dem Kieler Landgericht. Die 29-Jährige sei sofort tot gewesen. Mordabsichten habe er keine gehabt. Er habe die Tat auch nicht geplant. Es sei ein Unfall gewesen. Ausdrücklich bestritt der Angeklagte, dass er seine Tochter missbraucht habe und sie von ihm schwanger gewesen sei.

Genau mit dieser Behauptung aber hatte seine jüngere Tochter den Fall ins Rollen gebracht. Sie stellte nach 14 Jahren des Schweigens im vergangenen Dezember Strafanzeige gegen ihren in der Türkei geborenen Vater, der seit über 40 Jahren in Deutschland lebt und 2001 eingebürgert wurde. Wie es vor Gericht hieß, hatte der Vater sie massiv bedroht, damit sie das dunkle Geheimnis wahrte. Andernfalls erginge es ihr wie der Schwester.

In seiner mehrstündigen Aussage ließ der schmächtige, grauhaarige Angeklagte kein gutes Haar an der Tochter und warf ihr Lügen und Verleumdungen vor. Auf Fragen des Gerichts bestritt er jeden religiösen Fanatismus. Er sprach Türkisch. Seine Aussage wurde übersetzt.

Die Anklage lautet auf Mord aus niederen Beweggründen. Gestützt auf die Aussage der Schwester wirft die Staatsanwaltschaft dem 69-Jährigen vor, die älteste Tochter an einem nicht mehr genau zu bestimmenden Tag Anfang Februar 1996 in Trappenkamp (Kreis Segeberg) umgebracht und die Leiche in einer Garage vergraben zu haben. Er habe vertuschen wollen, dass sie von ihm schwanger war.

Das Opfer lebte damals illegal bei der Familie. Ihr Verschwinden fiel den Behörden so nicht auf. Obwohl er Monate später die Überreste aus der Garage wegbrachte, übersah der Angeklagte Knochenreste, die dort sichergestellt wurden und ihn nun überführen könnten.

Immer wieder versuchten der Vorsitzende Richter, Staatsanwalt und Verteidiger die ausschweifenden Antworten des Mannes zu bremsen, der jeder klaren Antwort auswich und seinen Töchtern einen unsittlichen Lebenswandel vorwarf. Sein Sohn, der als erstes Familienmitglied aussagte und den er als 18-Jährigen aus dem Haus geworfen hatte, schilderte ihn als gewalttätig und despotisch.

Der Vater habe immer wieder mit einem eigens angefertigten Rohr auf seine nackten Fußsohlen geschlagen, wenn er etwas falsch gemacht habe, sagte der Sohn. Das sei Folter gewesen. Nachts habe der Vater aus dem Koran gelesen und rezitiert. Auch ihn habe er gewzungen, im Koran zu lesen.

Eindeutig widersprach der Zeuge seinem Vater, der die Schwangerschaft des Opfers mit dessen angeblich unsittlichem Lebenswandel erklären wollte. Seine Schwester sei sehr ruhig, sehr zurückhaltend und am liebsten allein gewesen, sagte er. Sie habe aber auch kurzzeitig impulsiv sein können, wenn sie sich bedrängt gefühlt habe.

In dem auf vier Tage anberaumten Verfahren werden auch die jüngere Tochter und die Ehefrau des Angeklagten als Zeugen gehört. Die Frau hat inzwischen die Scheidung eingereicht.