Prozess Hamburg

325.000 Euro für Luxusgüter - Anwalt wegen Betrugs vor Gericht

Kredite für fast 325.000 Euro hat Prof. Dr. Matthias S. aufgenommen, um einen Mercedes SL und ein teures Motorboot zu finanzieren.

Blankenese. Es klingt nach einem Faible für Luxuskarossen. Und nach einer Schwäche für edle Boote. Kredite für fast 325.000 Euro hat Prof. Dr. Matthias S. aufgenommen, um einen Mercedes SL und ein teures Motorboot zu finanzieren. Weil der Rechtsanwalt gewusst haben soll, dass er die Raten für die Darlehen in Höhe von monatlich mehr als 4200 Euro nicht würde aufbringen können, muss sich der 64-Jährige wegen Betrugs vor Gericht verantworten.

Er selber habe das Nobelauto und das Motorboot nie gefahren, sagt der Angeklagte. "Das einzige Mal, dass ich in dem Auto gesessen habe, waren 60 Meter in einer Parkgarage auf dem Beifahrersitz." Und einen Bootsführerschein habe er gar nicht. Beide Luxusobjekte seien vielmehr Teil eines Finanzierungsmodells gewesen, erklärt in schulmeisterlichem Ton der Anwalt, der bis vor Kurzem auch Wirtschaftsrecht an einer Hochschule unterrichtete. Weil eine Firma, für die er ein sehr aufwendiges Mandat hatte, in Insolvenz gegangen sei, habe er 70.000 Euro nicht in Rechnung stellen können.

"Deshalb war ich in finanziellen Schwierigkeiten, brauchte Liquidität." Ein Geschäftspartner habe ihm in dieser Notsituation einen Kredit gewährt und ihm ein hoch kompliziertes wirtschaftliches Modell schmackhaft gemacht, bei dem sich Luxuskarossen über Vermietung angeblich quasi selber finanzieren. Allein der Wagen habe 2000 Euro Miete pro Monat bringen sollen. "Ich hatte keinen Anlass, daran zu zweifeln. Es war ausgeklügelt, und ich bin darauf reingefallen", sagt der Angeklagte. Später habe er herausgefunden, dass die Autos nie vermietet wurden. Der Geschäftspartner und seine Mitarbeiter hätten "damit viel Spaß gehabt". Er sei jetzt pleite und habe den Offenbarungseid geleistet.

Zu einem Jahr Haft mit Bewährung verurteilt die Amtsrichterin den Anwalt. Dass das Finanzierungsmodell nicht habe funktionieren können, weil gerade Luxusgüter wie Autos sehr schnell an Wert verlieren, sei "für jeden offensichtlich gewesen - vor allem für einen Mann mit Ihrem wirtschaftlichen Verständnis", sagt die Richterin. "Das Tragische ist, dass Sie ruiniert wurden durch die Misere."