Sylt

Feuerteufel auf Sylt? 380 Urlauber aus Hotels gerettet

Kripo ermittelt wegen Brandstiftung. Hotels und Pflegeheim in Westerland, List und Wenningstedt von Bränden betroffen. Notlager am Flughafen.

Sylt. Nutzten Brandstifter die Gewitternacht auf Sylt um Feuer zu legen? Eine unheimliche Brandserie auf der Nordseeinsel macht Urlaubern Angst. In der Nacht zu Montag jagte ein Feueralarm den nächsten. Etwa 400 Menschen mussten ein Hotel in Wenningstedt und die Volkshochschule Klappholttal bei List verlassen. Laut Polizei gab es jeweils rund 200 Betroffene. Sie kamen vorübergehend in einer Halle des Sylter Flughafens unter. Bürgermeisterin Petra Reiber sprach von fünf Brandorten mit elf Brandherden auf der Insel. Sie persönlich vermute Brandstiftung, sagte Reiber. Die Kripo ermittelt - Blitzschlag wird inzwischen ausgeschlossen. Der gesamte Sachschaden wird auf mehr als eine Million Euro geschätzt. Die Feuer wurden zwischen 1.30 Uhr und 4.30 Uhr gemeldet. Alle Sylter Wehren waren bis zum Morgen im Dauereinsatz. Bei einem Unfall mit einem Feuerwehrauto gab es laut Polizei drei Leichtverletzte.

+++ Spektakuläre Bilder der Löscharbeiten auf Sylt +++

Gegen Mitternacht begann die Brandserie: Mülltonnen des Awo-Seniorenpflegeheims in Westerland standen in Flammen. Der Brand war aber schnell unter Kontrolle.

Nur wenig später wurde Feuer im Wenningstedter Vier-Sterne-Hotel Lindner gemeldet. Rund 200 Gäste mussten das fast direkt am Strand gelegene Haus verlassen, nachdem Feuer im Keller eines Nebengebäudes ausgebrochen war. „Dort hat Wäsche gebrannt“, sagte Wehrführer Ralf Winter. „Warum, wissen wir nicht.“ Die ursprüngliche Vermutung, ein Blitz habe den Brand verursacht, bestätigte sich nicht. Das Feuer wurde schnell gelöscht. Wegen Verrußung ist das Hotel laut Polizei zunächst nicht bewohnbar. Mit Bussen und in Begleitung von Rettungsdiensten wurden die 200 Hotelgäste in Bademänteln und mit Atemschutzmasken in einen Flugzeughangar auf dem Sylter Flughafen gebracht und dort von den zahlreichen Kräften des DRK weiter versorgt und verpflegt. Der durch das Feuer entstandene Sachschaden liegt im fünfstelligen Bereich.

Einsatzort Nummer drei für die Feuerwehr war der Anbau eines Restaurants in Wenningstedt - etwa 100 Meter vom Hotel Lindner entfernt.

Knapp 45 Minuten später brannte es erneut in Wenningstedt, dieses Mal standen zwei Container in Flammen. Die Feuerwehr hatte diese Brände ebenfalls schnell unter Kontrolle.

Der nächste Alarm kam um 2.31 Uhr: Diesmal brannte es in der "Akademie am Meer" im Dünengelände zwischen Kampen und List. „Wir haben zwei Gebäude verloren“, berichtete Wehrführer Andreas Fließ. So brannte das Wirtschaftsgebäude samt Speiseräumen ab. Zerstört wurde auch eine Baracke mit Unterkunftsräumen für Personal und Gäste. In einem weiteren Haus konnte ein Polizist ein Feuer löschen, das durch Anzünden von Prospekten und einer Tischdecke entstanden war.

Auf dem 7,5 Hektar großen Gelände der Volkshochschule stehen insgesamt rund 150 kleine Häuser mit 250 Betten. Der Sachschaden geht hier in die Hunderttausende. Bis zu 150 Feuerwehrleute aus fast allen Inselorten waren im Einsatz. Erschwert wurde ihre Arbeit dadurch, dass wegen des Feuers der Zugang zur Wasserentnahmestelle versperrt war. Erst in 1,5 Kilometern Entfernung war ein Anschluss an die Wasserversorgung möglich. Wehrführer Fließ lobte die Evakuierung der Gebäude als vorbildlich. Zunächst hatte die Feuerwehr nur eine Teil-Evakuierung veranlasst, wegen befürchteter weiterer Brände auf dem Gelände mussten schließlich aber alle Urlauber raus aus den Häusern. Zur Sicherheit wurden die rund 180 Gäste auf das Flughafengelände gebracht.

Kurz nach 3 Uhr gab es erneut einen Feueralarm im Westerländer Awo-Seniorenpflegeheim. Der Brandherd wurde im unteren Teil des Gebäudes entdeckt. Trotz der zeitgleichen Brände an verschiedenen Orten wurde auch dieses Feuer schnell unter Kontrolle gebracht. Ein männlicher Mitarbeiter des Pflegeheimes verletzte sich an der Hand, er erlitt Verbrennungen und eine Rauchgasvergiftung.

Letzter Einsatzort war gegen 4.30 Uhr am Wenningstedter Weg in Westerland. Dort stand ein Müllcontainer in Flammen. Auch dieses Feuer war schnell unter Kontrolle.

Die meisten der insgesamt 380 Urlauber können voraussichtlich im Laufe des Tages wieder zu ihren Unterkünften zurückkehren. In der Nacht waren neben Polizei und Ordnungsamt alle Feuerwehren der Insel Sylt sowie sämtliche Kräfte der DRK-Bereitschaft und des DRK-Rettungsdienstes im Einsatz.

Die Stimmung der von den Bränden betroffenen Urlauber in der Katastrophenschutzhalle auf dem Flughafen beschrieb Bürgermeisterin Reiber als ruhig. „Die Menschen fühlen sich sehr gut versorgt und betreut, alles läuft Hand in Hand.“ Helfer brachten Essen und Getränke, das Rote Kreuz hatte Betten aufgestellt. „Innerhalb der Halle wurden auch noch Zelte aufgestellt, speziell für Familien mit Kindern“, schilderte Reiber. Für die Kleinen gab es auch Kuscheltiere. „Noch in der Nacht haben einige Einzelhändler ihre Geschäfte aufgemacht, damit die Leute sich versorgen konnten“, sagte die Bürgermeisterin. „Ein Bäcker hat um 4 Uhr Brötchen geliefert.“

Erst in der Nacht zum vorigen Donnerstag hatte es in einem Appartementhaus in Westerland einen Kellerbrand gegeben. Daraufhin mussten rund 60 Menschen in der Flughafenhalle übernachten.