Prozess

Tochter verbrennt toten Vater - mit Pflege überfordert?

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Thomas Wübker

Foto: picture-alliance / Felix Hörhage / dpa

Frau soll ihren toten Vater im Osterfeuer verbrannt haben, um seine Rente zu kassieren. Staatsanwaltschaft will Bewährungsstrafe.

Osnabrück. Um weiter die Rente ihres toten Vaters zu beziehen, soll eine 40 Jahre alte Frau die Leiche 2010 im Osterfeuer verbrannt haben. Die Staatsanwaltschaft forderte am Mittwoch vor dem Landgericht Osnabrück eine 20-monatige Haftstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden soll. Die Frau muss sich wegen gefährlicher Körperverletzung, gewerbsmäßigen Betrugs und Urkundenfälschung verantworten.

Die Frau hatte laut Anklage den Tod des Vaters 2009 verheimlicht und dessen Leiche zunächst vergraben, um weiter die Rente des Mannes zu kassieren. Für den Mitangeklagten Ehemann plädierte die Staatsanwaltschaft auf Freispruch. Wegen Verstoßes gegen das Bestattungsgesetz sollen beide ein Bußgeld von 800 Euro zahlen.

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„Die Schwierigkeit dieses Verfahrens liegt darin, dass es keinen Leichnam gibt“, sagte Oberstaatsanwältin Kathrin Krüger. Die Frage, woran der 66 Jahre alte Mann gestorben sei, könne nicht beantwortet werden. Die Staatsanwältin spekulierte auch über einen gewaltsamen Tod, da ein Müllwerker vor Gericht aussagte, im September 2009 eine blutverschmierte Plane in einer Mülltonne gefunden zu haben. Der Todeszeitpunkt des 66-Jährigen, der an starker Alkoholsucht litt, soll im September 2009 liegen, wie Ermittlungen der Polizei ergaben.

Die geständige Angeklagte hatte vor Gericht ausgesagt, ihr Vater sei schon im Juli 2009 gestorben. Die 40-Jährige will ihn zunächst in einer Scheune vergraben haben. Der Mann war nach mehreren Therapieversuchen in Kliniken im Mai 2007 von der Tochter aufgenommen und gepflegt worden.

Von den Schwestern dazu gedrängt, sei sie durch die schwere Alkoholsucht des Vaters mit der Pflege überfordert gewesen, sagte die Staatsanwältin. Die Angeklagte habe sogar ihre gut dotierte Arbeitsstelle gekündigt.

Die Angeklagte, die das Plädoyer unter Tränen verfolgte, habe den Tod des Vaters verheimlicht, um weiterhin dessen Rente kassieren zu können, sagte die Staatsanwältin. Dafür habe sie „viel Fantasie“ entwickelt. Sie sei sogar nach Polen gereist, um dort Geld mit der Kreditkarte des Vaters abzuheben.

Ihren Mann soll die Angeklagte nach Angaben der Staatsanwältin erst im Januar 2010 eingeweiht haben, als sie nach einer Vermisstenanzeige der Schwestern von der Polizei aufgesucht worden war. Er soll seiner Frau dann dabei geholfen haben, den Leichnam ins Osterfeuer zu werfen.

Mit Material von dapd

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