Fall Lara-Mia

Schwestern der Mutter erheben Vorwürfe gegen Behörden

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Schon im Oktober sei ihnen aufgefallen, dass Lara-Mia deutlich unterernährt war. "Ich habe sofort beim Jugendamt angerufen", sagt Nicole Z.

Hamburg. Sie haben nur noch Verachtung übrig für ihre jüngere Schwester. Für Jessica R., die Mutter der toten Lara-Mia. Seit einer Woche muss sich die 18 Jahre alte Frau mit ihrem Lebensgefährten Daniel C., 22, vor dem Landgericht wegen versuchten Totschlags durch Unterlassen verantworten - weil sie zugelassen haben sollen, dass das Baby lebensbedrohlich abmagerte. Lara-Mia starb im Alter von neun Monaten.

Die Schwestern der Angeklagten, Jenny P., 25, und Nicole Z., 33, sagten gestern als Zeuginnen aus. Die Öffentlichkeit war, wie vom Gericht in der Vorwoche entschieden, von der Verhandlung ausgeschlossen. Sie wollen trotzdem über den Fall sprechen. "Damit so etwas nicht noch mal passiert", sagt Nicole Z. vor dem Gerichtssaal, mit Tränen in den Augen.

Beide erheben schwere Vorwürfe gegen ihre jüngste Schwester und die Behörden. Schon im Oktober sei ihnen aufgefallen, dass Lara-Mia deutlich unterernährt war. "Ich habe sofort beim Jugendamt angerufen", sagt Nicole Z. Passiert sei nichts, vielmehr sei sie von dem Mitarbeiter "abgewimmelt" worden. Auch Hinweise an den Kinder- und Jugendnotdienst sowie bei der Betreuerin ihrer Schwester seien ohne Wirkung geblieben.

Nun mache sie sich Vorwürfe, sagt Nicole Z. "Ich hätte wohl mehr tun müssen." Grob vernachlässigt habe das Paar die Kleine. "Mit drei Monaten hat Jessica sie den ganzen Tag in einer Wippe vor dem Fernseher abgestellt. Sie selbst hat am Computer gechattet." Vor Gericht bestritten die Schwestern, dass Jessica R. eine schwierige Kindheit hatte. "Sie war immer die Prinzessin."